Wirrungen um Wiesel-Diesel

Kommentar zu gefälschten Abgaswerten

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Christoph Zöllner

Offenbach - Seit ich am Wochenende die Fahrgestellnummer meines A3 auf der Audi-Homepage eingetippt habe, herrscht Gewissheit: Die Abgas-Krise ist bei meinem Diesel angekommen.

Das Baukastenprinzip des Konzerns macht’s möglich: Wo Audi draufsteht, ist halt oft VW drin! Wenn ich den Schlüssel drehe, tuckert also einer jener Motoren, die bereits in den USA traurige Berühmtheit erlangt haben. Online klingt das so: „Das Fahrzeug mit der von Ihnen eingetragenen Fahrgestellnummer ist von folgenden Feldmaßnahmen betroffen: S-Servicemaßnahme Diesel Abgas EA 189. “ Aha. Und was nun? „Bitte setzen Sie sich mit einem autorisierten Audi-Vertragspartner in Verbindung. “ Also habe ich gestern früh versucht, mit dem Autohaus Kontakt aufzunehmen. Zunächst vergeblich. „Alle Leitungen sind besetzt“, wiederholt sich die automatische Ansage. Erst beim fünften Versuch geht jemand ran. Die Dame vertröstet mich, und es klingt, als ob sie diese Worte nicht zum ersten Mal sagt: „Noch ist keine Lösung bekannt. Wahrscheinlich gibt es eine Rückrufaktion. Sobald wir mehr wissen, werden Sie direkt von Audi angeschrieben – oder von uns. “ Nicht fehlen darf freilich die vom Hersteller gebetsmühlenartig wiederholte Versicherung: „Fahrzeugsicherheit und Mobilität sind nicht beeinträchtigt. “ Ich bin trotzdem verwirrt.

Dabei hat mich mein Wiesel-Diesel bislang nie im Stich gelassen. Die Werkstatt kenne ich seit dem Kauf vor zwei Jahren nur von einer Inspektion. Ich spare aufgrund der Dieselpreise und des niedrigen Verbrauchs beim Tanken gleich doppelt. Versicherung und Steuer sind auch nicht viel teurer als beim Benziner. Aber ob das so bleibt? Immerhin gibt Audi im Internet zu, dass „die EU5-Zulassungsgrenzwerte der Stickoxide nicht eingehalten werden“. Das macht mich schon wütend, habe ich doch geglaubt, ein umweltverträglicheres Auto zu kaufen und keine Dreckschleuder. Angeblich könnte ein Software-Update ausreichen, um das Problem zu lösen. Ich bin skeptisch.

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Wie all die anderen Betroffenen erwarte ich von VW/Audi, dass mein Selbstzünder tatsächlich über die beim Kauf zugesicherten Eigenschaften verfügt. Die hierfür notwendigen „Feldmaßnahmen“ sollten schnell, reibungs- und vor allem kostenlos erfolgen – schließlich möchte ich keinen Kursus über Motorsteuerungen und -software, Einspritzpumpen und -düsen belegen oder gar einen Anwalt einschalten müssen.

Quelle: op-online.de

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