Gefangenenaustausch

Kommentar: Zweifelhafte Motive

Die Hamas wird über die Freilassung ihrer Kämpfer jubeln, Familie Schalit wird Freudentränen über die Rückkehr ihres verlorenen Sohnes Gilad vergießen. Von Karin Jürgens

Trotzdem: Den Pfad der Menschlichkeit haben sowohl Hamas wie auch die israelische Regierung längst verlassen, wie das würdelose Geschacher um Menschen beim israelisch-palästinensischen Gefangenenaustausch zeigt.

Auf der einen Seite steht der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der die palästinensischen Gefangenen durch das Geschäft nicht minder zu Pfandgut eines Austausches werden lässt.

Längst geht es nicht mehr nur um Gilad Schalit, den Israel erst durch seine Entführung über den Status eines einfachen Häftlings hinaus zu einem Symbol machte. Mit gewisser Berechtigung lässt sich annehmen, dass Netanjahu mit der Aktion nicht nur sein innenpolitisches Ansehen verbessern, sondern auch Hamas-Gegner und Palästinenser-Präsidenten Mahmud Abbas schwächen möchte.

Und die Hamas? Sie macht den Handel mit Geiseln seit Jahren zum erfolgreichen Geschäftsmodell für ihr politisches Kapital. Im Fall Schalit nutzt sie die Gunst der Stunde, um mit einer zur Ikone stilisierten Geisel die Preise hochzutreiben. Da lautet die Frage nicht mehr, ob ein nächster Handel folgt, sondern wie hoch der Preis dann sein wird. So begrüßenswert der Austausch für die Betroffenen ist, so zweifelhaft sind die Motive der israelischen Regierung und der Palästinenser. Denn solange sowohl Tote als auch Lebende als Währung in politischen Machtspielen in einem Jahrzehnte langen Krieg dienen, wird es keinen Frieden am Gaza-Streifen geben. Wer wirklich langfristig ein würdevolles Leben für beide Völker schaffen will, muss den Konflikt entschärfen.

Quelle: op-online.de

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