Gabriel provoziert

Kommentar: Schröder auf dem SPD-Parteitag

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Frank Pröse

Wie kommt die SPD aus dem 25-Prozent-Keller? Das ist die finale Frage, die über dem Parteitag schwebt und sich zuvorderst an Parteichef Sigmar Gabriel richtet. Von Frank Pröse

Der hatte vor nicht allzu langer Zeit unter anderem wegen seines populistischen Umgangs mit Pegida und dem Grexit sowie der Vorratsdatenspeicherung keinen guten Stand in den eigenen Reihen. Jetzt hat er sich Hilfe von Gerhard Schröder geholt, wie Gabriel Niedersachse, Machtmensch, mehr pragmatisch-realistisch denn ideologisch-theoretisch orientiert. Das passt zwar, birgt aber ein großes Risiko.

Denn Schröder hat nicht umsonst im Jahr 2007 letztmals auf einem SPD-Parteitag gesprochen. Damals waren die Verletzungen längst nicht geheilt, die der Reformkanzler mit seiner Agenda 2010 seiner Partei zugefügt hatte. Auch heute ist Schröder für viele eingefleischte Sozialdemokraten immer noch eine Provokation. Denen stößt die Sicht des Ex-Kanzlers übel auf, wonach das Land wichtiger ist als die Partei. Da überlagert sich immer noch der Frust über die Missachtung sozialdemokratischer Traditionen mit der Erkenntnis, dass die Agenda jede Menge Vorteile für die Reichen und Mächtigen parat gehalten hat. Schröder selbst hat Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker gegossen, weil ihm nach der Kanzlerschaft sein Geldbeutel wiederum wichtiger war als sein Land. Und die SPD-Spitze lädt einen Angestellten des „lupenreinen Demokraten“ Wladimir Putin ein, um die verstorbenen großen Sozialdemokraten Schmidt, Bahr und Grass zu ehren?

Da stellt sich schon die bange Frage: Wieviel Schröder steckt in Gabriel und soll der etwa in Basta-Manier und einer zur Schau getragenen Wirtschaftskompetenz die sogenannte Mitte von der CDU zurückerobern? Da wird der Parteichef die Seinen nicht hinter sich versammeln können. Denn in der SPD wird nicht unbedingt geliebt, wer sich als Schmidts Enkel und Schröders Ziehsohn präsentieren lässt. Ein ungeliebtes Zugpferd aber wird die Partei nicht aus dem Tal der Tränen ziehen können.

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Quelle: op-online.de

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