Geschäfte mit Bewegungsprofilen

Kommentar: Das Handy ausschalten

In einer globalisierten Welt, die sich den Belangen der Wirtschaft unterordnet, ist alles erlaubt. Das denkt jedenfalls der spanische Telefon-Konzern Telefónica, der mit den Bestands- und Bewegungsdaten seiner Nutzer Geld verdienen will.

„Smart Steps“ heißt das Programm, das sich an die Werbeindustrie wendet und damit eines der ertragreichsten Geschäftsmodelle im Internet nutzt, den Verkauf von Datenpaketen. Diese zusammengeschnürten Informationen sind höchst sensibel. Umso interessanter sind sie deshalb für Geschäftsleute.

Jedem User ist klar, dass er den Schutz der Privatsphäre abschreiben kann, sobald er sich im Netz tummelt. Doch langt es nicht, dass wir uns bei vielen unserer Aktionen im Internet schon selbst soweit entblößen, dass mit uns mühelos Geschäfte gemacht werden können? Bei „Smart Steps“ geht es jedoch nicht um Surf- oder Online-Kaufverhalten, um Suchanfragen oder Sehgewohnheiten, es geht um den physischen Standort der Kundschaft. Das ist nun wirklich eine andere Qualität von Nutzerdaten, die sich gewinnbringend verkaufen lassen, sofern der Kunde zustimmt. Doch der hat keine andere Wahl. So findet sich in den Verträgen, die Kunden von O2/Telefónica online abschließen, eine Einwilligungserklärung, wonach O2 Standortdaten für Vermarktung und Marktforschung nutzen darf. Abgelehnt werden kann das nicht. Ein Wechsel zu anderen Providern wird nicht helfen, die werden die „Smart Steps“ auch irgendwann gehen. Bleibt nur: Handy abschalten oder sich mit der schönen neuen globalisierten Welt arrangieren. Dieses Fazit frustriert ...

Frank Pröse

Quelle: op-online.de

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