Gesundheits-TÜV für Autofahrer

Kommentar: Aufklärung gefragt

Für die meisten Bundesbürger ist es selbstverständlich, bis ins hohe Alter hinter dem Lenkrad zu sitzen und mobil zu sein. Kaum jemand will freiwillig darauf verzichten. Von Peter Schulte-Holtey

Senioren und der Führerschein ist ein heikles Thema, politisch und psychologisch, das wird auch bei der neu entfachten Debatte über den Gesundheits-TÜV - offensichtlich vor allem für Senioren - deutlich. Hamburgs Innensenator Michael Neumann sprach sich dafür aus, dass sich Autofahrer spätestens alle 15 Jahre ärztlich auf ihre Fahrtauglichkeit untersuchen lassen. Die reflexartige Ablehnung durch die Bundesregierung und durch den ADAC lässt ahnen, welche Brisanz mit dem Thema verbunden ist.

Die Antwort auf den erneuten Vorstoß für einen Zwangstest sollte klar sein: Nein! Denn es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass ältere Menschen per se die schlechteren Autofahrer sind. Auch die Statistik untermauert die Forderung nicht. Trotzdem lohnt es sich, verstärkt über das Thema „Senioren im Verkehr“ nachzudenken. In vielen Familien wird ja bereits heiß diskutiert, ob Eltern oder Großeltern noch ausreichend flexibel im Verkehr reagieren können. Schlagzeilen wie „Rentner verursacht Unfall mit Toten und Schwerverletzten“ lassen die Emotionen regelmäßig hochkochen.

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens körperlich wie geistig abbaut. Die Folgen: Man sieht schlechter, die Motorik ist eingeschränkt, die Reaktionsfähigkeit lässt nach, man ist nicht mehr so belastbar. Aufklärung ist also mehr denn je gefragt. Es ist durchaus sinnvoll, dass Senioren ab einem bestimmten Alter sich freiwillig Prüfungen unterziehen, um festzustellen, ob sie noch genug Sehfähigkeit haben, ob sie noch genug hören können, und ob ihre Beweglichkeit so ist, dass sie als Fahrer am Verkehr teilnehmen können. Der Dialog mit dem Hausarzt, der über Wirkungen von Medikamenten und andere gesundheitliche Fragen informiert, sollte selbstverständlich sein.

Quelle: op-online.de

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