Kommentar: Teure Freiheit

Der Austausch des jungen israelischen Soldaten Gilad Schalit ist ein Erfolg für Regierungschef Netanjahu, der den ungeschriebenen Kodex des Judenstaates, nie einen Soldaten im Stich zu lassen, öffentlichkeitswirksam mit Leben erfüllt hat: Ein starkes innenpolitisches Signal. Von Lorenz von Stackelberg

Außerdem ist der Albtraum fürs erste gebannt, bei jeder Aktion der israelischen Streitkräfte mit der Tötung der Geisel rechnen zu müssen. Langfristig jedoch könnte der Preis für Schalits Freiheit sich als immens hoch erweisen.

Nicht nur, dass über tausend Palästinenser aus Gefängnissen entlassen werden, unter ihnen viele gefährliche Terroristen; auch sämtliche potenziellen Entführer in Extremistenkreisen werden sich durch diesen Präzedenzfall in ihrem zynischen „Geschäftsmodell“ bestätigt sehen. Zudem hat die unversöhnliche Hamas, die Israel das Existenzrecht abspricht, einen spektakulären Erfolg errungen, der ihre Rolle auf Kosten des gemäßigten Palästinenserpräsidenten Abbas stärken wird. Zu neuen Hoffnungen auf einen Frieden in Nahost gibt es jedenfalls keinen Anlass, sieht man einmal von der Tatsache ab, dass Israelis und Palästinenser überhaupt willens und in der Lage waren, miteinander zu kommunizieren. Das alles kann allerdings kein Grund sein, sich nicht ganz einfach mit Gilad Schalit und seinen Angehörigen über den glücklichen Ausgang des Geiseldramas zu freuen.

Quelle: op-online.de

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