Eine Frage des Vertrauens

Kommentar: Grexit wird solonfähig

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Die Verzweiflung wächst! Die Titelzeile einer deutschen Zeitung trifft sowohl auf die Not in Griechenland zu als auch auf die Nöte der Geldgeber, die in Erwartung von Reformlisten abermals von der griechischen Regierung enttäuscht wurden. Von Frank Pröse

Es wächst aber auch die Wut, die nämlich über die politischen Vertreter der Geldgeber, die sich vor dem Referendum der Griechen glasklar auszudrücken verstanden, sich nun aber bei immer „offenen Türen für Gespräche“ von Ultimatum zu Ultimatum eiern und dabei von dritten Hilfspaketen schwadronieren, wo sie doch dereinst das zweite schon kategorisch ausgeschlossen hatten. Diese Art der Diplomatie, wenn man das Verhandlungschaos überhaupt so nennen darf, schürt Euro-Skepsis auf breiter Front, zumal Spitzenpolitiker wie EU-Kommissionspräsident Juncker, EU-Parlamentspräsident Schulz, Vizekanzler Gabriel, Italiens Premier Matteo nicht zu ihren Erklärungen stehen, wonach sich die Griechen nach einem Nein beim Referendum nach einer anderen Währung umsehen müssen.

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Europa kann dann die Not der Griechen nur über Hilfsprogramme und Strukturmittel zu lindern versuchen, die Kreditstrategie ist schließlich an Griechenland gescheitert. Auch weitere Ausleihungen können nicht zum Erfolg führen, denn das Land hält bisher an seinem Geschäftsmodell der Nichtbeachtung des Kleingedruckten bei per Referendum gestärkten Maximalforderungen fest. Was gibt es da noch zu verhandeln? Warum sollen den verlorenen Milliarden weitere hinterhergeworfen werden? Um den letzten Rest an Vertrauen in europäische Werte und Regeln zu verzocken? Warum sollten als Terroristen beschimpfte Gipfelteilnehmer am Sonntag irgendwelchen Zusagen der griechischen Regierung vertrauen, wo diese schon bisher nichts wert waren?

Euro-Partner halten Griechen die Tür für neue Hilfen offen

Selbst wenn sündhaft teuer erkaufte Zeit zerronnen ist und das Elend immer sichtbarer wird, für weitere Notfallkredite der EZB fehlt aktuell jede Grundlage. Die Banker in Frankfurt würden sich der Untreue schuldig machen, weil das Geld praktisch bedingungslos transferiert werden müsste. Rettungspolitik um jeden Preis aber darf es nicht geben. Diese Feststellung ist mal wieder notwendig, weil auch die EZB-Spitze die Dehnung einmal aufgestellter Regeln zum Prinzip erhoben zu haben scheint. Die Lage treibt alle in die Verzweiflung. Oft ist es da besser, die Reißleine zu ziehen: Der Grexit ist mit Risiken verbunden, hat aber auch seinen Charme. Entsprechende Szenarien werden jetzt endlich ernsthaft in Politik und Wirtschaft durchgespielt. Selbst bei der griechischen Regierung von Tsipras dürfte der Grexit längst eingeplant sein. Nur Mut!

Quelle: op-online.de

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