Die Wahl im Nordosten

Kommentar: Grüne und SPD danken

Das war eine glasklare Sache für Erwin Sellering, den Ossi-Versteher aus Westfalen, der in der DDR keinen „totalen Unrechtsstaat“ zu sehen vermag: Erwartungsgemäß konnte seine SPD einen glänzenden Wahlsieg einfahren - auch in Mecklenburg-Vorpommern ist Genosse Trend den Genossen hold. Von Ulrich Kaiser

Mehr noch freilich den Grünen, die nach 21-jähriger Durststrecke den Sprung ins Schweriner Parlament schafften und mit diesem Debüt nun flächendeckend in sämtlichen Landtagen vertreten sind. Mit ihrem Einstieg über acht Prozent könnten sie sich im Nordosten zumindest irgendwann als Regierungspartner empfehlen - wenn es auch jetzt wohl nicht ganz reicht.

Jedenfalls ist der alte und neue Ministerpräsident in der höchst komfortablen Situation, sich aussuchen zu können, ob er die einigermaßen bewährte große Koalition fortsetzen oder sich auf ein rot-rotes Wagnis einlassen will. So wird Sellering in den Gesprächen mit einer gerupften CDU und einer recht stabilen Linken ohne Mühe seine Ziele durchsetzen. Doch wie immer der Pragmatiker sich auch entscheidet: Seine Wahl wird zu Deutungen ermuntern, die über die Wirkungen an der Küste hinausreichen.

Wie der Urnengang dort zu bundespolitischen Interpretationen einlädt - mögen Landesentscheide in dieser Hinsicht auch noch so vorsichtig zu bewerten sein. Augenfällig ist der nicht zum Stillstand kommende Niedergang der Liberalen, die sich in Schwerin aus dem Landtag katapultierten, ebenso das jämmerliche Ergebnis der Christdemokraten im Landesverband der Parteichefin und Kanzlerin. Die CDU so schwach wie noch nie in Mecklenburg-Vorpommern, die Post-Westerwelle-FDP unter neuer Führung weit davon entfernt, Wähler von einem diffusen Imagewandel zu überzeugen.

„C wie Zukunft“ hatte die CDU in Mecklenburg-Vorpommern vor Wochen reichlich missverständlich mit Blick auf ihren Spitzenkandidaten Lorenz Caffier plakatiert - und mit diesem Verheber sogleich Hohn und Spott geerntet. Es mag bei den Resultaten der Wahl noch nachhallen, dass sich mancher kritische Betrachter auch kein X für ein U vormachen lassen will - etwa in Fragen der Atom- und Energiepolitik. Da dürfen sich die Grünen, die mit ihren alten Herzensthemen glaubwürdig punkten, noch einmal herzlich bei denen bedanken, die sich als Kopie des Originals andienen.

Und ebenso die Sozialdemokraten, die nach ersten Analysen starke Zugewinne von ehemaligen Sympathisanten eben jener Parteien verbuchen konnten, die in Berlin das Sagen haben. Mit CDU und FDP ist derzeit kein Staat zu machen: Auch dieses Signal geht von Mecklenburg-Vorpommern aus.

Quelle: op-online.de

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