Grünen-Parteitag

Kommentar: Das große Flügelschlagen

Eines muss man den Grünen lassen: Sie geben sich redlich Mühe, den Ursachen ihres Desasters bei der Bundestagswahl auf den Grund und deswegen keiner Diskussion aus dem Weg zu gehen. Von Alexander Weber

Wo andere Parteien in ähnlich misslicher Lage eine schonungslose Analyse scheuen und auf den St. Nimmerleinstag verschieben, begnügen sich die Grünen nicht mit einem Austausch des Führungspersonals, sondern reden Tacheles. Genau hier offenbart sich dann aber das ganze Ausmaß ihres Problems: Die Partei ist flügellastig wie schon lange nicht mehr, ein klarer Kurs muss erst wieder mühsam gefunden werden.

Schon lange standen sich Fundis und Realos – repräsentiert durch Ex-Frontmann Trittin und Ländle-Regent Kretschmann – nicht mehr im Grundsatz so konträr gegenüber wie heute: Erreicht man Fortschritt nur gegen die Wirtschaft (Trittin) oder mit ihr (Kretschmann)? Waren die Wähler an der Schlappe schuld, weil sie die grünen Botschaften missverstanden, oder ist die Partei aus der Spur? Schlägt das Herz eben doch links und gilt Merkel als weibliche Variante des „Gottseibeiuns“, oder strebt man in die politische Mitte und bewundert die Kanzlerin ob ihrer Zähmung der CDU? All das konnte die Delegiertenversammlung am Wochenende nicht ansatzweise klären. Mit dieser janusköpfigen Partei wäre eine schwarz-grüne Koalition im Bund ein Himmelfahrtskommando mit programmierter Bruchlandung geworden.

Quelle: op-online.de

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