Chance für Franziskus

Kommentar: Heiligsprechungen in Rom

Was für eine Richtung will die katholische Kirche denn nun einschlagen? Diese Frage ist der Hintergrund für die Heiligsprechung der beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II., diese Frage wird das aktuelle Oberhaupt der Katholiken beantworten müssen. Von Peter Schulte-Holtey

Johannes XXIII. ist noch immer die Galionsfigur der Erneuerer, die die Kirche an den gesellschaftlichen Verhältnissen anpassen wollen. Johannes Paul II. ist längst zur Ikone der Bewahrer geworden, derer, die keine Zugeständnisse machen und ihre Kirche vom Zeitgeist fernhalten wollen.

Und Franziskus, wofür steht der Papst aus Argentinien? Er sichert auch mit der Doppel-Heiligsprechung seinen Reformkurs ab, lässt sich als Versöhner der beiden so unterschiedlichen Lager in der Weltkirche feiern. Damit kann er an Kontur gewinnen, die Chance nutzen - als Vermittler zwischen Traditionalisten und Reformern. Indem er den Termin für die Heiligsprechungen zusammenlegte, gab Franziskus ein Signal zur innerkirchlichen Einheit: Er zwang beide Flügel zur „Einheitsfeier“; er verhinderte damit, dass einer Fraktion die kirchenpolitische Instrumentalisierung gelingen könnte.

Dass Franziskus für frischen Wind im Vatikan sorgt, hat er schon bei verschiedenen Ereignissen eindrucksvoll bewiesen - etwa, als er am Gründonnerstag entgegen der Tradition Menschen, die eher am Rande der Gesellschaft stehen, die Füße wusch. Durch die Reform der römischen Kurie sorgt er zudem für Bewegung in diesem verstaubten Gremium. Franziskus weiß, dass er noch mutiger neue Wege einschlagen muss, um Christen wieder für ihre Kirche zu begeistern. Die Heiligsprechungen von Johannes Paul II. und Johannes XXIII. passen in sein Konzept.

Quelle: op-online.de

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