Kampf gegen Plastiktüten

Kommentar: Einsicht statt Aktionismus

Jute statt Plastik“ - was hat man in den 80er-Jahren die birkenstockbeschuhten Weltverbesserer belächelt, die den Slogan auf ihrer aus der Jutepflanze hergestellten Tasche stolz zeigten. Von Ralf Enders

Am rostigen Holland-Rad baumelnd. Nun, die hartgesottenen Ökos haben sich durchgesetzt. Es ist durchaus sexy, dem Tüten-Wahnsinn die Gefolgschaft zu verweigern. Die Europäische Union will ihren Mitgliedsstaaten jetzt das Recht geben, Plastiktüten zu verbieten. Gut so.

Allerdings ist Vorsicht geboten, die Verbraucher sind selbstbewusste Wesen und mögen nicht bevormundet werden. Als erster Schritt wäre ein Verbot oder zumindest eine starke Einschränkung der kostenlosen Tüten aus leichtem Plastik sinnvoll, in die vor allem Ost- und Südeuropäer irre verliebt sind, in denen aber auch bei uns gern jeder Kleinkram transportiert wird, der locker in der Jackentasche Platz fände.

Und die Alternativen zum großen Bruder, zur stabilen Plastiktüte, sind zum Dauereinsatz verdammt, denn die Öko-Bilanz von Baumwoll- oder Papiertaschen wird wegen der großen Wassermenge bei der Herstellung oder der Verwendung von Bleichmitteln erst positiv, wenn die Tasche zum treuen Begleiter wird.

Differenzierung und Überzeugungsarbeit statt blindem Aktionismus ist also angesagt. Sonst geht die Nummer aus wie die mit dem Flaschenpfand: Zum Schreddern verurteilte Plastik-Einwegflaschen sind die Gewinner der staatlichen Zwangsbeglückung. Solche Ideen gehören auf den Müll.

Quelle: op-online.de

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