Karsai kritisiert Nato-Einsatz

Kommentar: Eine Beleidigung

Es ist unverschämt und beleidigend: Der Nato-Einsatz, sagt Afghanistans Präsident Karsai, habe seinem Land großes Leid und den Verlust vieler Menschenleben, aber keine Vorteile gebracht. Die Worte kommen aus dem Mund eines Mannes, der stets zum Kern des Problems zählte. Von Werner Menner

Die internationale Gemeinschaft und auch Deutschland haben immense Mittel aufgewandt und einen hohen Blutzoll entrichtet, um Karsai und Co. zehn Jahre lang an der Macht zu halten. Er dankt es mit Tiefschlägen, die freilich perfekt ins Bild passen. Geht es um Machtpoker, war und ist Karsai, dessen Ära 2014 endet, skrupellos. Dass dieser Krieg das Land in eine friedliche und freie Zukunft führen würde, glaubten im Westen nur wenige. Karsai hat nach dem 9/11-Terror mit den USA kooperiert, um die Taliban zu entmachten. Geschickt, denn damit war ihm die Hilfe der Nato und der Terroristenjäger sicher.

Er wusste aber auch, dass die alliierten Kampftruppen das Land wieder verlassen (2014 ist es soweit) – und die Taliban zurückkehren werden. Jene Taliban, denen er 2001 freien Abzug garantierte. Diesen Taliban sind die Beleidigungen der Nato und die Verhöhnung der Gefallenen geschuldet. Er arrangiert sich, und seine Familie wird auch in Zukunft gut damit fahren. Das Wohl des afghanischen Volk war, wie es scheint, stets Nebensache.

Quelle: op-online.de

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