Kommentar zu den Käufen der EZB

Draghi erklärt Bankrott

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Frank Pröse

Um 14. 48 Uhr sagte Mario Draghi gestern vor der versammelten Weltpresse im EZB-Turm: „Ich hab´s geschafft!“ In der Tat: Der Notenbanker hat es geschafft, mit der Ankündigung unbegrenzter Staatsanleihe-Käufe den Weg in eine Schuldenunion zu ebnen. Von Frank Pröse

Das kann noch sündhaft teuer werden - nicht für Draghi, aber für die Steuerzahler, die in Deutschland vorneweg.

Der Italiener hat ein hehres Ziel, er will den Euro retten. Doch alles Geld der EZB wird nichts nützen, wenn die Reformprogramme in den Krisenländern nicht greifen. Darauf zu hoffen, ist ein großes Wagnis. Denn immer noch wird in den jeweiligen Hauptstädten eher auf Unterstützung durch die EZB gesetzt, denn auf den Umbau der Wirtschaft.

Der erste Mann der europäischen Notenbank hat gestern eine Bankrotterklärung abgegeben für dieses Europa, für dessen Währung und die Regierungen, die sich ja erdreisten, Verträge nach Lust und Laune zu brechen, dass dem gemeinen Volk Hören und Sehen vergeht. Wen wundert es da noch, dass sich Draghi das Recht herausnimmt, das Mandat der EZB kurzerhand auszuweiten und die Wirtschaft über die Geldmenge zu steuern? Und Angela Merkel, die sich so gerne als Eiserne Kanzlerin feiern lässt, begleitet den Sündenfall artig mit Applaus. Der Schritt zur Stabilisierung der Währung ist für sie wohl alternativlos. Noch vor wenigen Wochen hatte sie davor gewarnt, die Grenze zwischen Geld- und Finanzpolitik aufzuheben. Jetzt heißt sie diesen Schritt für gut, weil ihre Krisenpolitik gescheitert ist.

Quelle: op-online.de

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