Kinderschutz

Kommentar: Klima muss sich ändern

Offenbach - Dem Fall Edathy sollte ein Aufschrei folgen, sich endlich mehr für Kinder zu engagieren. Die Fotos und Filme, die der SPD-Abgeordnete konsumierte, mögen ja legal gewesen sein. Aber glaubt denn irgendjemand, dass Kinder freiwillig nackt vor Kameraobjektiven stehen? Von Peter Schulte-Holtey

Es ist völlig unverständlich, dass solches „Material“, das sich laut Aussage der zuständigen Staatsanwaltschaft im „Grenzbereich zur Kinderpornografie“ bewegt, unverändert mit einfachsten Mitteln zu beschaffen ist. Schnellstens sollten Gesetzeslücken geschlossen und die Normen gegen Kinderpornografie verschärft werden. Dass sich Bundesjustizminister Heiko Maas jetzt dafür ausgesprochen hat, den gewerbsmäßigen Handel mit Nacktbildern von Kindern oder Jugendlichen unter Strafe zu stellen, ist ein erster wichtiger Ansatz. Aber dabei sollte es die Politik nicht belassen, weitere Verschärfungen müssen ausgelotet werden.

Auch in der Gesellschaft ist eine breite Debatte über Übergriffe in die Privatsphäre - nicht nur von Heranwachsenden - überfällig. Noch immer werden viele „Fehlentwicklungen“ oftmals auf die leichte Schulter genommen. Auch sexistische, frauenfeindliche Redewendungen, Übergriffe mit dem Foto-Handy oder im Internet-Chat und Belästigungen sind sexuelle Übergriffe, die das Selbstbestimmungsrecht von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verletzen. Es wird höchste Zeit, ein Klima der Offenheit zu schaffen, damit sich die Opfer trauen, ihre Leidensgeschichte zu erzählen. Neben dem Ausbau der Hilfen muss die Prävention in den Fokus rücken. Erzieher, Lehrer und Eltern sind gefordert.

Edathy-Affäre: Die wichtigsten Personen

Edathy-Affäre: Die wichtigsten Personen

Quelle: op-online.de

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