Vorfahrt für Qualität

Kommentar zur Kita-Betreuung

+
Peter Schulte-Holtey

Offenbach - Kita-Plätze gibt es sicher immer noch nicht genug, aber in den meisten Bundesländern müssen Paare nicht mehr bei den Betreuern vorstellig werden, bevor das Kind überhaupt gezeugt wurde. Weil es seit 2013 einen Rechtsanspruch gibt, wurden Zehntausende neue Plätze geschaffen. Von Peter Schulte-Holtey

Angaben des Statistischen Bundesamts bestätigen jetzt die rasante Entwicklung; so wird in fast allen ostdeutschen Kreisen mehr als die Hälfte der Kinder unter drei Jahren in Kitas oder in der Tagespflege betreut. Zwar fallen im Westen der Republik die Quoten zum Teil noch immer deutlich geringer aus. Doch auch dort sind die enormen Anstrengungen unübersehbar. Seit 2011 wurden allein in Frankfurt jährlich mehr als 1 000 Plätze im U-3-Bereich geschaffen. Bis 2018 sind weitere 3 500 geplant. Die U-3-Betreuungsquote soll bis Ende 2016 fast 50 Prozent erreichen – inklusive der Tagespflege. Das sind große Ziele. Krippenplätze wurden im Eiltempo ausgebaut.

Nur: Zu welchen Bedingungen? Vielerorts wurden eilends die Standards gesenkt. Es wird also – nicht nur mit Blick aufs Ost-West-Gefälle – höchste Zeit, über die Qualität zu reden. Und da ist gerade in unserem Bundesland noch einiges zu tun. So ergab eine Bertelsmann-Studie, dass Hessen bei der Betreuung in den Kitas schlechter abschneidet, als alle anderen westdeutschen Flächenländer – nur das Saarland liegt gleichauf. Bei der Krippenbetreuung teilt es sich mit Bayern den vorletzten Platz. Im Durchschnitt muss sich in Hessen eine Erzieherin um 9,8 Kindergartenkinder kümmern. Bertelsmann legt europäischen Standards folgend zu Recht ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis bei 7,5 an.

Die großen Mängel sind doch unübersehbar: Kommunen suchen händeringend nach geeigneten Erziehern, praktizieren eine Lockerung des Personalschlüssels. Das geschieht ausgerechnet in einer Phase, in der immer mehr Mädchen und Jungen immer früher in Krippen betreut werden und sich ein großer Teil der frühkindlichen Bildung weg vom Elternhaus entwickelt. Es wird also höchste Zeit fürs Kita-Bundesqualitätsgesetz, das die Arbeiterwohlfahrt und andere Sozialverbände jetzt fordern. Richter des Bundesverfassungsgerichts haben es bei ihren Ausführungen zum Betreuungsgeld deutlich formuliert: Wenn Deutschland als einheitlicher Wirtschaftsraum auf die Mobilität seiner Arbeitnehmer setzt, dann müssen Eltern darauf vertrauen können, überall eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung erhalten zu können.

Unbefristeter Kita-Streik hat begonnen

Quelle: op-online.de

Kommentare