Kommentar: Komfortable Lage

Jochen Vogel, Johannes Rau, Oskar Lafontaine, Björn Engholm und Rudolf  Scharping - viele standen als SPD-Kanzlerkandidat in den Umfragen glänzend da und sahen schon wie der sichere Sieger aus. Doch am Wahlabend hatte stets CDU-Kanzler Helmut Kohl die Nase vorn. Von Wolfgang Blieffert

Die SPD ist eine geschichtsbewusste Partei und sollte deshalb die Lektion gelernt haben, wonach Umfragen zur Halbzeit der Legislatur belanglose Momentaufnahmen sind. Und es ein taktischer Fehler ist, den Spitzenmann zu früh zu benennen. Denn während der Amtsinhaber Fakten schafft, kann der Kandidat nur Interviews geben.

Für die SPD des Jahres 2011 besteht zudem gar kein Anlass, die Nominierung des Kandidaten jetzt schon vorzunehmen. Die Berliner Koalition ist angeschlagen, das Überleben der FDP unsicher. Dass sich daran Entscheidendes ändert, erscheint unwahrscheinlich.

Die SPD selbst ist in der komfortablen Situation, über mehrere Kandidaten zu verfügen: Sigmar Gabriel, der als Parteichef das Erstzugriffsrecht hat. Frank-Walter Steinmeier, als Ex-Außenminister angesehen, wenn auch ein wenig spröde. Peer Steinbrück, als Finanzminister gut in Erinnerung, von den Parteilinken aber skeptisch beäugt. Und Klaus Wowereit, mehrfach Wahlsieger in Berlin, der mit Grünen und Linken regiert hat und es nun mit der CDU versucht.

Wer sich in der K-Frage selbst nach vorne schiebt, hat es in der SPD traditionell schwer. Der letzte, der dies tat, hatte allerdings Erfolg damit: Gerhard Schröder.

Quelle: op-online.de

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