Signal an Verbündete

Kommentar zum Krieg gegen die IS

Schneller als selbst die größten Pessimisten befürchteten, zeigt sich die geopolitische Janusköpfigkeit der Türkei. Von Alexander Weber

Während Befürworter eines raschen EU-Beitritts in dem Land am Bosporus stets nur den strahlenden Beweis für die Vereinbarkeit von muslimischer Kultur mit westlicher Demokratie sahen, dessen Leuchtkraft weit in den Krisengürtel des Nahen und Mittleren Ostens reicht, wird nun die Kehrseite Ankaras offensichtlich: Die Verstrickung des Landes in die ethnisch-religiöse Konfliktgemengelage der kurdisch-arabischen Welt und damit seine unfreiwillige Rolle als potenzielles Einfallstor des islamistischen Terrors ins europäische Haus.

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Der Nato-Partner Türkei ist nun Frontstaat des Westens gegen die vorrückenden Horden des Islamischen Staates. Die beantragte Parlamentserlaubnis für den Einsatz von Bodentruppen ist auch ein Signal Präsident Erdogans an die Verbündeten: Ein Antrag auf Beistand nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrages könnte bald folgen. Ankara hätte jeden Anspruch auf substanzielle materielle Hilfe durch die Allianz – auch durch Deutschland.

Und gleichwohl wäre dieser Schritt ein wohlfeiles Argument in den Augen jener Fanatiker, die den Kampf gegen die Mörderbanden eines Steinzeit-Islams als Krieg der Zivilisationen, als Entscheidungsschlacht des Westens gegen die muslimische Welt fehldeuten wollen.

Quelle: op-online.de

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