Kommentar: Zu gut für die Tonne

Alles richtig, was Ilse Aigner, quasi Deutschlands oberste Verbraucherschützerin, gestern angeprangert hat. Die Bundesbürger tragen alljährlich tonnenweise Lebensmittel in den Müll, was schon allein aus moralischen Gründen verwerflich ist.

Es sei „Zeit für einen Bewusstseinswandel und für mehr Wertschätzung für unsere Lebensmittel“, mahnte die Agrarministerin und kündigte einige großangelegte Aktionen gegen Verschwendung an, bei denen von den Kirchen bis zu den Herstellern alle ins Boot geholt werden sollen.

Erste konkrete Maßnahme: eine Aufklärungsaktion zum Thema Mindesthaltbarkeitsdatum. So soll vermieden werden, dass Lebensmittel in den Abfall kommen, obwohl sie nach diesem Datum noch genießbar sind. Zu gut für die Tonne eben.

Soweit, so löblich. Aber warum setzt Aigner an dieser Stelle lieber auf Aktionismus statt endlich diesen unsinnigen und irreführenden Begriff Mindesthaltbarkeitsdatum von den Packungen zu verbannen? Warum nicht eine klarere Formulierung, die das tatsächliche Verfallsdatum anzeigt? So drängt sich der Verdacht auf, Aigner scheue den Konflikt mit den mächtigen Lebensmittel- und Handelskonzernen. Denn die profitieren schließlich ganz ordentlich vom Missverständnis der Verbraucher.

Quelle: op-online.de

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