Einstiger Glanz

Kommentar: Von der Leyen und die Plagiatsaffäre

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Ursula von der Leyen dürfte nicht die letzte Spitzenpolitikerin sein, deren Doktorarbeit von den eifrigen Plagiatsjägern genauestens unter die Lupe genommen wird. Von Peter Schulte-Holtey

Ist nun das Lebenswerk der oft als mögliche Merkel-Nachfolgerin gehandelten Politikerin zerstört, wenn sich herausstellt, dass sie abgeschrieben bzw. schludrig gehandelt hat? Einfache Antworten darauf kann es nicht geben. Entscheidend ist weiterhin ihre Offenheit, ihre Form der Krisen-Intervention, ihre Abwehrstrategie. Dies wird in den nächsten Tagen eine große Rolle bei der Frage spielen, ob sie „politisch überleben“ kann. Ein wichtiger Punkt in der Debatte ist natürlich, dass es erstmals um eine medizinische Arbeit geht. Dass der Doktortitel in der Medizin seit Langem als besonders leicht zu ergattern gilt, könnte jetzt zum Bumerang werden - indem die Hochschule nun umso strenger prüft. Bislang schien die ehrgeizige Ministerin in ihren Ämtern unverletzlich. Auch bei den verschiedenen Skandalen im Verteidigungsressort fand sie stets einen Weg, andere Schuldige zu finden. Diesmal wird das nicht klappen. Nur sie allein ist für die wissenschaftliche Arbeit in Studentenjahren verantwortlich.

Karl-Theodor zu Guttenberg, Annette Schavan, Silvana Koch-Mehrin - Plagiatsvorwürfe brachten ja schon so manchen Politiker in arge Bedrängnis. Zum Glück hat die Debatte über wissenschaftliche Standards zuletzt auch etwas verändert. Inzwischen versuchen Universitäten und Forschung durch bessere Betreuung von Doktoranden, neue Promotionsordnungen und verstärkte Kontrolle durch Ombudsleute mehr für gute Arbeit zu tun, um den einstigen Glanz des Titels wieder herzustellen.

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Quelle: op-online.de

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