Friedensnobelpreis

Kommentar: Lupenreine Wahl

Das Nobelpreiskomitee hat in bewährter Manier – große Verdienste außergewöhnlicher Persönlichkeiten würdigen und gleichzeitig Impulse setzen – drei couragierte Vorkämpferinnen für Demokratie und Frauenrechte geehrt, die in einem lebensgefährlichen Umfeld entschlossen ihren Weg gehen. Von Lorenz von Stackelberg

Eine lupenreine Wahl – in mehrfacher Hinsicht.

Leymah Gbowee und Tawakkul Karman haben sich in ihrem Kampf von brutalen Zwangsregimen nicht einschüchtern lassen, Ellen Johnson-Sirleaf hat es zur ersten demokratisch bestimmten Staatschefin Afrikas gebracht. Alle drei setzen Zeichen der Hoffnung für Millionen, nicht zuletzt auch für die mutigen Frauen und Männer des Arabischen Frühlings, die sich durch den Preis für die Jemenitin Karman geehrt fühlen dürfen. Für sie schafft das vielleicht sogar ein Stück persönliche Sicherheit. Auf jeden Fall wird die Auszeichnung dem Kampf für Freiheit und Menschenrechte im afrikanisch-arabischen Raum neue Kraft verleihen – im Licht der Erkenntnis, dass ein entscheidender Schlüssel zum politischen Wandel nicht nur archaischer Gesellschaften in den Händen der Frauen liegt.

Und dennoch wäre auch eine andere lupenreine Wahl denkbar gewesen: Das Komitee hatte die Chance, mit Helmut Kohl jenen Mann auszuzeichnen, der nicht nur die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands entschlossen in seine Hände nahm, sondern auch den von vielen Nachbarn misstrauisch beäugten einstigen Unruheherd fest und sicher in Europa vertäute. Diesem Europa, das unter dem Eindruck der Weltfinanzkrise immer mehr Bürgern nur noch als schnöder Währungs-Klub gilt, hätte ein klarer Hinweis aus Oslo auf seine friedenssichernde Kraft in diesen schwierigen Tagen gutgetan.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare