Mahnung von Lindner an FDP

Kommentar: Guter Rat - nicht mal teuer

Christian Lindner versteht es, auf sich aufmerksam zu machen. Das bewies der frisch gebackenene Spitzenkandidat der FDP für die NRW-Wahl schon in dem Moment, da er sich dazu bekannte, auch bei einem Nicht-Einzug seiner Partei in den Düsseldorfer Landtag in Nordrhein-Westfalen zu bleiben. Von Manfred Brackelmann

Und das beweist Lindner auch jetzt - indem er nachweist, dass ihn sein Job in NRW keineswegs betriebsblind im Blick auf Fehler der Bundes-FDP macht. Dabei ist seine innere Distanz zu Philipp Rösler auch dann unüberhörbar, wenn er den Namen des Parteichefs nicht in den Mund nimmt.

Selbstbewusstsein und Bescheidenheit: eine gesunde Mischung, die den Liberalen nicht nur aus Lindners Sicht gut zu Gesicht stünde - und deren Fehlen niemand in der weiter dahin siechenden Partei so drastisch verkörpert wie Rösler.

Bei der Wahl von Bundespräsident Joachim Gauck war die FDP nicht Randgröße, sondern treibende Kraft; statt zu genießen und zu schweigen, gab sie die Abgrenzung zur Union leichtfertig als neue Parole aus.

Bei der Landtagswahl im Saarland unterboten die Liberalen alle eigenen Negativ-Rekorde; statt selbstkritischer Nachdenklichkeit zeigte Rösler aus der Ferne trotziges Festhalten an alten Positionen.

Im Tauziehen um eine Transfergesellschaft für entlassene Schlecker-Mitarbeiterinnen blieben FDP-Minister gegen viele Widerstände unnachgiebig - und mussten erleben, wie Rösler ihr wirtschaftlich nur richtiges Verhalten durch falsche Wortwahl als herzlos darstellte.

Parteipolitik lebt immer auch davon, wie man sie verkauft.

Kein wirklich neues Rezept, doch eines, das beherzigt werden will, um Erfolg daraus zu machen. Das Wissen darum hat der neue liberale Hoffnungsträger Christian Lindner dem verbrannten Hoffnungsträger Philipp Rösler offensichtlich voraus.

Quelle: op-online.de

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