Merkels dritte Wahl zur Kanzlerin

Kommentar: Es war Mutti-Tag

Die SPD-Festwochen sind vorbei, vorerst jedenfalls. Geduldig hat die Kanzlerin gewartet. Von Georg Anastasiadis

Gestern endlich war Mutti-Tag - und Angela Merkel beging ihn auf ihre Weise: Noch bevor die Genossen ihre ziemlich beste Feindin zur Kanzlerin wählen durften, mussten sie den Morgennachrichten entnehmen, dass die schwarz-grüne Koalition in Hessen steht. Die schwarze Witwe hat also vorgesorgt für den Fall, dass ihren neuen Partnern von der SPD in den nächsten Jahren zu wohl wird im Berliner Koalitionsbett. Das könnte sich für Sigmar Gabriel & Co. noch als Prokrustesbett entpuppen – jenes Schlaflager, das der schreckliche Unhold Reisenden anbot, um ihnen die Füße abzuhacken, wenn sie nicht hineinpassten. Die SPD hat ihren Mitgliederentscheid, aber die Kanzlerin die Grünen: Sollten Gabriel & Co. mit ihren Forderungen unter Hinweis auf ihre ungnädige Basis weiterhin über die Stränge schlagen, kann Merkel jederzeit mit dem Ersatzpartner drohen.

Dass es in den nächsten vier Jahren Zwangsehe zu schwierigen Momenten kommen könnte, lässt schon Merkels Wahlergebnis erahnen: Mindestens 32 der anwesenden Abgeordneten von CDU, CSU und SPD verweigerten ihr die Stimme. Das ist angesichts der Vierfünftelmehrheit, über die Schwarz-Rot im Parlament verfügt, noch kein Drama. Aber ein Warnzeichen. In den Flügeln der Koalitionspartner brodelt es. Das gilt für die SPD-Linke, der die Abbrucharbeiten an der Agenda 2010 nicht weit genug gehen, ebenso wie für den Unions-Wirtschaftsflügel, der seiner Kanzlerin angesichts der vereinbarten Rentengeschenke ein „Verbrechen an der nächsten Generation“ vorwirft.

Das neue Bundeskabinett

Das neue Bundeskabinett

„Jetzt muss endlich mal gearbeitet werden“, hat die Regierungschefin die SPD gemahnt, die sich zuletzt gar nicht genug an ihrer Basis-Nummer berauschen konnte. Die Genossen sind entschlossen, die vor ihnen liegende Legislaturperiode zu Merkels letzter zu machen. Wenn sie sich da mal nicht täuschen. Zwölf Jahre wird die Kanzlerin im Amt sein, wenn sie die vier Jahre übersteht. Von Kohls 16-Jahres-Rekord trennt sie dann nur noch ein Wahlsieg.

Quelle: op-online.de

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