Welt schaut hilflos zu

Kommentar zur Militäraktion in Palästina

Auge um Auge, Zahn um Zahn: Gemäß dem Alten Testament gehen die Rituale im Nahen Osten wieder einmal vonstatten. Auch die Rollen sind ebenso verteilt wie bei etlichen Waffengängen vorher. Von Marc Kuhn

Israels Armee, die stärkste in der Region, geht mit äußerster Konsequenz im Gazastreifen vor. Und radikale palästinensische Kräfte wollen dem Judenstaat zeigen, dass er sich mit einer Mauer zwar vor Anschlägen, nicht aber vor massivem Raketenbeschuss schützen kann. Leidtragende sind die Menschen. Israelis können sich wenigstens in ihre Bunker flüchten. Palästinenser sind dem Bombardement schutzlos ausgeliefert.

Benjamin Netanjahu will mit der Militäraktion die Hamas nachhaltig schwächen. Die Rechnung wird nicht aufgehen. Die Anführer der radikalen Islamisten haben sich längst in Sicherheit gebracht. Und: Solange die Palästinenser im Gazastreifen quasi eingesperrt sind ohne wirtschaftliche Perspektiven, ohne Strom, ohne Wasser, ohne Infrastruktur, solange wird ihr Hass geschürt. Sie stehen zur Hamas, die unterstützt von arabischen Staaten, für ein paar Erleichterungen im Gazastreifen sorgt. Sollte die Hamas allerdings tatsächlich schwächeln, könnte die Isis in das Machtvakuum stoßen. Die Radikalsten der Islamisten richten in Syrien und im Irak zurzeit schweren Schaden an. Sie sehen aber auch Palästina als ihr Einflussgebiet. Die Hamas ist ihren Zielen dagegen näher als die Israelis. Sie hat den Erzfeinden gezeigt, dass sie in ihren Kerngebieten angreifbar sind. Zudem haben die Islamisten Israel zur Militäraktion provoziert. Das Image des Landes wird in der Welt deshalb wieder einmal schwer beschädigt. Hamas trägt indes eine Mitverantwortung für die vielen toten Palästinenser.

Syrien, Irak, Libanon, Israel, Gazastreifen: Die ganze Region brennt mittlerweile. Radikale Islamisten wollen die Landkarte neu zeichnen. Die Vermittlungsbemühungen laufen derweil ins Leere. Die Lage in Palästina ist besonders schwierig. Die Obama-Administration hat dem Konflikt zwischen Israel und Palästinensern nicht den Stellenwert eingeräumt wie vorige Regierungen. Und: Ägypten als traditioneller Vermittler nimmt die Rolle unter der Militär-Regierung nicht ausreichend wahr. Die internationale Gemeinschaft wirkt hilflos, während sich radikale Kräfte auf beiden Seiten weiter hochschaukeln. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.

Quelle: op-online.de

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