Missbrauchsbericht

Kommentar: Ecken vor Rundem Tisch

Monate ist es her, dass die SPD-Politikerin Christine Bergmann sich auf eine Aufgabe einließ, die absehbar unbequem war. Eine schonungslose Aufarbeitung des Reizthemas Missbrauch war gefordert, mit Empfehlungen, wie – wenn überhaupt denk- oder machbar – Opfer entschädigt werden könnten. Dem hat sich Bergmann gestellt. Von Manfred Brackelmann

Ist eingetaucht in ein Meer von Schmerz und Gewalt, von tausenden Fällen einer besonders abstoßenden Form von Verbrechen in erschreckender Verbreitung. Und ist wieder aufgetaucht mit einem Katalog von Empfehlungen, der so unbequem ausgefallen ist wie ihr Job: weil er sehr konkrete Hilfe einfordert.

Dabei wird der Ehrgeiz der Politik, nach langen Jahren allein der Betroffenheit jetzt endlich aktiv werden zu wollen, gleich zur ersten Hürde. Wo Missbrauch in Familien stattfand, Väter oder Onkel zu Tätern wurden, da soll der Staat einspringen, wenn Verantwortliche nicht mehr zu Verantwortung gezogen werden können – die teure Einlösung eines Versprechens, das die Politik nicht mehr brechen darf.

Noch schwieriger wird die Umsetzung der Hilfe dort, wo jetzt schon Uneinigkeit herrscht. Während sich der Sport in Schweigen hüllt, sind andere Institutionen längst vorgeprescht. So planen Heimträger eigene Fonds, will die katholische Kirche Betroffene mit maximal 5 000 Euro entschädigen – womit sie weit billiger davonkäme als bei auch nur annähernder Zustimmung zu Bergmanns Vorschlägen.

Da sind sie, die Ecken, die sich vor dem Runden Tisch auftun, an dem alle beieinander sitzen werden und der jetzt am Zuge ist. Er könnte scheitern an einer der wichtigsten Voraussetzungen zur Aufarbeitung des Missbrauchs: aufrichtige und nicht aufrechnende Gemeinsamkeit.

Quelle: op-online.de

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