Unendliche Geschichte

Kommentar zur Nahost-Krise

Wenn Israel einer von Ägypten vermittelte Waffenruhe zustimmt, die Hamas aber ablehnt, dann sollte das jenen zu denken geben, die das Geschrei vom „Völkermord“ im Gazastreifen für bare Münze nehmen. Von Lorenz von Stackelberg

Es stimmt zwar, dass Israels Militärmaschinerie viele Opfer fordert, während die Raketen der Hamas fast nur Sachschäden verursacht haben. Daraus zu schließen, es handele sich um bessere Feuerwerkskörper, und den effektiven Einsatz israelischer Abfangbatterien kleinzureden, wäre allerdings grotesk. Die vielen Toten auf palästinensischer Seite sind nämlich auch damit zu erklären, dass die Hamas ihre militärische Logistik in Wohnvierteln organisiert und zynisch mit dem Propagandaeffekt des Blutzolls kalkuliert.

Im Grunde haben weder die Hamas noch Israel Interesse an einer grundlegenden Lösung. Die Regierung Netanjahu denkt gar nicht daran, die Besetzung des Westjordanlands zu beenden und den illegalen Siedlungsbau zu stoppen, neben dem Status Jerusalems zwei Grundvoraussetzungen für Frieden mit den Palästinensern. Die wirtschaftlich und ideologisch angeschlagene Hamas wiederum, die ihre Existenzberechtigung aus der Gegnerschaft zum Judenstaat bezieht, braucht Propagandaerfolge, feuert mit Raketen um sich und liefert Israel damit ein willkommenes Alibi. Da sie gleichzeitig den Aufstieg weit radikalerer Kräfte in Gaza verhindert, muss sie eine Zerschlagung nicht ernsthaft fürchten. Eine unendliche Geschichte des Schreckens auf dem Rücken der Bevölkerung – und unter den ratlosen Blicken von Amerikanern und Europäern.

Quelle: op-online.de

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