Kein Bud-Spencer-Tunnel

Kommentar: Sie nannten ihn Tücke

Baden-Württemberg ist wirklich nicht mehr das, was es einmal war. Der VfB Stuttgart hat Schulden, bei Demonstrationen geht es zu wie in Berlin, der Ministerpräsident ist ein Grüner, und die Namen örtlicher Bauwerke erinnern nicht mehr an alte Adelsgeschlechter, sondern an alte Schauspieler. Beinahe zumindest. Von Ralf Enders

Denn bevor es soweit kommt, hat der Gemeinderat von Schwäbisch Gmünd rechtzeitig die Hosen voll gehabt - der Tunnel von Deutschlands teuerster Ortsumgehung wird nicht nach Italowestern-Held Bud Spencer benannt, wie es die befragte Netzgemeinde wollte. In Web-2.0-Geschwindigkeit wurde „Mücke“ Spencer zur Tücke im beschaulichen Schwäbisch Gmünd. Einen „Salvator“- oder „Staufer“-Tunnel fand die mächtige Spaß-Guerilla auf Facebook halt eher unpassend.

So ist das mit der Basisdemokratie im Internet-Zeitalter: Sie entstaubt hier und da die Politik durchaus, aber für Unbedarfte wird sie schnell zum Bumerang. Andernorts dürften sie nach Schwäbisch Gmünd geschaut haben und eigene lokale Volksbefragungen nun eher konventionell gestalten: im Schützenhaus oder mit Tapeziertisch auf dem Marktplatz.

Quelle: op-online.de

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