Neuer Chef der Bischofskonferenz

Kommentar: Starke Stimme

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, ist zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. 2008 schien er seinen Amtsbrüdern noch zu ruppig und zu machtbewusst. Von Claudia Möllers

Heute ist er der Hoffnungsträger, um die katholische Kirche in Deutschland nach Missbrauchsskandal, Finanzdiskussionen und der Affäre Limburg wieder in eine positive Richtung zu führen. Die Missbrauchsaffäre innerhalb seiner Kirche, die 2010 öffentlich wurde, hat ihn zutiefst erschüttert. Damals hat er den Ernst der Lage sofort erfasst und ohne langes Zögern durchgegriffen. Führungsstärke hat der Münchner Erzbischof damals eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Gleichzeitig hat er in den vergangenen Jahren erfolgreich sein Image als polternder Konservativer abgelegt. Seit einigen Jahren zeigt er sich nachdenklicher. Vielleicht auch eine Folge des Dialogprozesses mit den Laien, den er aufmerksam begleitet. So zeigt er auch viel Verständnis für die Nöte der wiederverheirateten Geschiedenen – gerade auch im Konflikt mit dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

Entscheidend für seine Wahl dürfte aber sein enger Draht nach Rom sein. Mit Kardinal Marx an der Spitze könnte es gelingen, den „Franziskus-Effekt“ auch stärker nach Deutschland zu übertragen. Reinhard Marx kann der katholischen Kirche zu einem neuen Selbstbewusstsein verhelfen. Doch muss er aufpassen, dass er nicht zu forsch loslegt mit – sicherlich notwendigen – strukturellen Veränderungen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz muss auch ein Vermittler sein. Und trotz der wichtigen neuen Aufgabe sollte er nicht vergessen, was er in erster Linie ist: der Erzbischof von München und Freising.

Quelle: op-online.de

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