Unerwünschte Bremswirkung

Kommentar: Ökostrom macht Bahn teuer

Jaaaa, da hätten wir doch schon mal eine nette Denksportaufgabe für die Ministerialebene: Wie verhalten wir uns Europa-konform? Wie vermeiden wir ein imageschädliches Beihilfeverfahren wegen unerlaubter Subventionierung deutscher Firmen durch Rabatte und sichern gleichzeitig die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs? Von Michael Eschenauer

Die Sache ist knifflig, denn leider zieht nicht einmal das Argument der internationalen Konkurrenzfähigkeit, die durch die EEG-Umlage für manche deutschen Firmen verschlechtert würde. Die Bahnkunden können nicht in ein Billigland ausweichen, die Schienen sind fest montiert, der Ticket-Preis ist „egal“.

Dass hier extrem vorsichtig gehandelt werden muss, ist trotzdem offensichtlich. Die Preise für Bahn, S-Bahn und U-Bahn sind politisch, die Fahrgäste extrem preissensibel. Regelmäßig stehen die Nahverkehrsunternehmen im Sturm der Empörung, wenn sie Preiserhöhungen ankündigen. Und jetzt drohen Aufschläge in zweistelliger Prozenthöhe!

Geld wird in jedem Fall fließen müssen

Geld wird in jedem Fall fließen müssen: Denn an eine vollständige Schonung des öffentlichen Nahverkehrs mag keiner mehr glauben. Fragt sich nur, wer am Ende zahlt. Der RMV beispielsweise hat einen Kostendeckungsgrad von 56 Prozent. Das ist schön, führt aber zu grenzwertig hohen Ticketpreisen. Was beim RMV am Ende des Jahres fehlt, zahlt die öffentliche Hand. Steigen nun durch die höhere Stromrechnung die Betriebskosten, sind entweder die Fahrgäste mit höheren Ticketpreisen und weniger Service dran oder der Steuerzahler. Bleiben die Stromrabatte für die Öffentlichen in Kraft, fällt die gewünschte Entlastung der privaten Stromkunden bei der EEG-Umlage geringer aus. Ein Nullsummenspiel

Was ist davon zu halten? Zu vermeiden ist in jedem Fall, dass der öffentliche Schienen-Nahverkehr - allseits gepriesen als umweltpolitisches Segenswerk und für viele Pendler alternativlos - in seinem Beitrag zur alltäglichen Mobilität von Millionen Menschen ausgebremst wird - just durch eine angeblich ebenso umweltpolitisch segensreiche Maßnahme: die Förderung der erneuerbaren Energie via EEG-Umlage. Auch kann es nicht sein, dass noch mehr Güterverkehr von der Schiene auf die Straße abwandert. Es ist also zwingend erforderlich, die EEG-Reform so zu stricken, dass einerseits der öffentliche Nahverkehr ohne größere Blessuren davonkommt, andererseits die Euro-Bürokraten zufrieden sind. Geschieht dies nicht, beißt sich in Deutschland die Umweltpolitik in den eigenen Schwanz. Eine nette Denksportaufgabe, wie gesagt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare