Kommentar: Öl-Konzerne an die Leine

Siegfried Michel

Als Autofahrer macht einen das richtig sauer: Die Preise für Benzin und Diesel haben in den vergangenen Tagen den höchsten Stand aller Zeiten erreicht. Auch wer mit Öl heizt, muss tief in die Tasche greifen.

Gleichzeitig meldeten die Öl-Konzerne in den vergangenen Wochen für das Jahr 2011 Gewinne, die schwindlig werden lassen. So stieg der Nettogewinn von Shell um satte 54 Prozent auf rund 23,44 Milliarden Euro. BP verkündete einen Gewinn von 18,2 Milliarden Euro. ExxonMobil toppte die Branche mit 31,2 Milliarden Euro Profit. Die Gewinne für 2012 dürften wohl noch höher ausfallen.

Verbotene Preisabsprachen konnte das Bundeskartellamt den Konzernen bisher zwar nicht nachweisen. Die Unternehmen seien aber allein durch ihre „Reaktionsverbundenheit“ in der Lage, den Preiswettbewerb auszuschalten, wie Behörden-Chef Andreas Mundt sagt.

Dagegen muss die Politik - nicht nur hier in Deutschland - etwas tun. Es darf nicht sein, dass dieses Oligopol es schafft, die Regeln der freien Marktwirtschaft auszuhebeln. Zwar verdient der Staat kräftig an den hohen Spritpreisen mit, doch es sollte den Politikern nicht egal sein, dass die Öl-Multis mit ihrer Preistreiberei dafür sorgen, dass der Normalverdiener seinen allgemeinen Konsum sehr einschränken muss. Andere Branchen werden so nämlich geschädigt. Die Öl-Konzerne gehören an die Leine gelegt - schon lange.

Auch sei gesagt, dass eine Erhöhung der Pendlerpauschale natürlich keine Lösung für das Problem ist. Denn letztendlich wirkte dies quasi wie eine Subventionierung der Mineralölriesen, nur mit dem kleinen Umweg über die Geldbeutel der Sprit- und Heizöl-Verbraucher.

Gefordert ist auch die Autobranche. Sie muss zügiger dafür sorgen, dass noch spritsparendere sowie mit alternativen Energien betriebene Fahrzeuge zu bezahlbaren Preisen möglichst rasch auf den Markt kommen. Kein großes Mitleid sollte man aber mit denjenigen haben, die jetzt jammern, aber meinen, es sei lebensnotwendig, mit einem superdicken Spritfresser durch die Gegend zu fahren.

Quelle: op-online.de

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