Kommentar zu den Olympischen Spielen 2012

Kein Grund zu feiern

Die olympische Flamme in London ist erloschen. In einem zweiwöchigen Sport-Spektakel, das Milliarden Menschen vor den Fernsehern in seinen Bann zog, wurden in insgesamt 302 Wettbewerben in 36 Disziplinen Medaillen vergeben.

Mit 44 Medaillen (11 Gold/19 Silber/14 Bronze) hat das deutsche Olympia-Team das Ergebnis von 2008 in Peking (41) übertroffen. Trotzdem gibt es für die Führung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) keinen Grund zum Feiern. In einer vor vier Jahren getroffenen Zielvereinbarung zwischen dem DOSB und seinen Fachverbänden wurde festgehalten, dass bei idealem Verlauf aller Projekte 86 Medaillen - davon 28 Mal Gold - für die Spiele in London möglich seien. Diese unrealistische Vorgabe bringt die DOSB-Spitze um Präsident Thomas Bach und Generaldirektor Michael Vesper in Erklärungsnot.

Klar ist, wer etwas erreichen will, muss sich hohe Ziele setzen. Doch wer zu hohe Erwartungen propagiert, riskiert es, öffentlich belächelt zu werden. Die Debatte um Defizite, Strukturen und Reformen im deutschen Leistungssport ist in vollem Gange.

Was ist der Gesellschaft der Spitzensport wirklich wert? Muss noch mehr in die Spitze investiert werden, oder sollte man die massiven Probleme an der Basis, wie Nachwuchsmangel in Vereinen oder die schlechte Situation bei den Sportstätten, angehen? Sport und Politik müssen sich Gedanken machen, wie sie Hunderte von Millionen Fördergeldern in Zukunft am klügsten und wirkungsvollsten einsetzen.

Quelle: op-online.de

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