Kommentar: Verpasste Gelegenheit

Gerechtigkeit ist das Rückgrat einer intakten Gesellschaft. Die Frage, wie Leistung, Belastung, Verteilung zu gestalten sind, treibt alle Parteien um. Ex-FDP-Chef Guido Westerwelle definiert Gerechtigkeit jetzt als Chancengleichheit - und will die Bürger entlasten.

Chancengerechtigkeit ist zweifellos ein Schlüssel für die Zukunft, da wird keiner widersprechen. Nur wie war das gleich mit der Entlastung und dem fiesen Vehikel kalte Progression? Wollte die FDP diese Nester der Ungerechtigkeit, die Lohnerhöhungen umgehend wieder kassieren, nicht schon vor Jahren ausräumen? Bereits im vergangenen Wahlkampf und auch noch zu Beginn der Koalition wurde darüber geredet und gestritten und geredet und ... - bis das Thema im Sand versickert war. Jetzt ist Westerwelle die kalte Progression also wieder eingefallen.

Nur leider herrschen im Bundesrat mittlerweile Machtverhältnisse, die diese liberale Gerechtigkeitsidee locker vom Tisch wischen können. So etwas nennt man verpasste Gelegenheit. Und dies kommt öfter vor - im Leben und in der Politik. Nur dass die FDP diesen vertrödelten Wunsch jetzt wieder hervorholt, ist seltsam. Woran soll man mehr zweifeln: an ihrer Glaubwürdigkeit oder an ihrer Kreativität? Oder doch an beidem?

Quelle: op-online.de

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