Deutlich mehr Wohnungseinbrüche

Kommentar: Polizei allein überfordert

Kaum ist die Nachricht raus, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche um knapp zehn Prozent gestiegen ist, ruft die Interessenvertretung der Beamten, das sei nicht verwunderlich angesichts des Personalabbaus der vergangenen Jahre. Die Reaktion der Gewerkschaft der Polizei ist wenig überraschend. Von Hans Willms 

Dabei ist das doch nur die halbe Wahrheit – und wohl in erster Linie der Lobbyarbeit in eigener Sache geschuldet. Wer einmal aufmerksam zuhört, wenn die Beamten des Kommissariats Vorbeugung zum Beispiel die Besucher einer Baumesse dafür sensibilisieren wollen, mehr in den Einbruchschutz zu investieren, dann wiegeln diese nicht selten ab. „Bei mir ist doch sowieso nichts zu holen“, heißt es dann. Oder: „Ich bin doch versichert.“ Wer sich aber etwas intensiver mit der Kriminalitätsstatistik beschäftigt, der erfährt nicht nur, dass durchschnittlich alle drei Minuten irgendwo eingebrochen wird, der erfährt auch, dass rund 80 Prozent aller Einbrüche auf Gelegenheitstäter zurückzuführen sind und eben nur jeder fünfte Einbruch auf das Konto eines Profis geht. Gelegenheitstäter aber schlagen eher nur da zu, wo es besonders leicht ist. Einbrecher kommen überall hinein. Aber wer es ihnen besonders schwer macht, hat deutlich bessere Chancen, den Dieb von seinem Vorhaben abzuhalten.

Wer schon einmal das Chaos nach einem Einbruch erlebt hat, wird das Bild nicht mehr so schnell los: Bücher auf dem Boden, verstreute Wäschestücke, durchwühlte Schränke, Handy und Laptop weg, der wertvolle Familienschmuck verschwunden, das Bargeld sowieso. Die meisten Opfer leiden noch Monate später unter diesen Eindrücken, unter dem Schock, der Trauer, der Ohnmacht und der Verunsicherung, die ein Einbruch auslöst. Der Ruf nach mehr Polizei mag angesichts dieser unschönen Bilder im Kopf und der erschreckenden Statistik auf dem Papier lauter werden. Richtiger wird er damit nicht. Ein flächendeckender Schutz des Eigentums ist schließlich selbst in einem Überwachungsstaat pure Illusion. Die Polizei allein kann es eben auch nicht richten.

Quelle: op-online.de

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