Mauern in den Köpfen

Kommentar: Putin gibt Ausland Schuld für die Krise

Mitten in Russlands schwerer Wirtschaftskrise hält der Zar Hof. Seine Botschaft ans Ausland: Ihr seid schuld. Das war zu erwarten. Von Frank Pröse

Aber Wladimir Putin ist bei aller Berechenbarkeit auch immer wieder für Überraschungen gut: Dieses Mal tischt er der versammelten Presse eine neue Lebenslüge auf: Der richtige Weg sei es, mit dem Bau von Mauern aufzuhören. Wie bitte? Mauern wurden doch wohl vorwiegend unter der Verantwortung seiner Vorgänger hochgezogen, das sollte Putin aus der Geschichte gelernt haben.

Ansonsten nichts Neues aus dem Kreml. Freilich verfestigt sich der Eindruck, Putin alleine wolle den Kalten Krieg zurück, weil er im Geiste in jener glorreichen Vergangenheit lebt, in der sich alle Welt vor einem waffenstrotzenden Russland fürchten musste. Doch wir schreiben 2014, ihren Selbsterhalt, wie Putin es nennt, gefährden die Russen nur durch seine Führung. Es gibt keine imperialen Gelüste des Westens, der überdies Nato-Beitritte von Ex-Sowjetrepubliken nicht zuletzt mit Rücksicht auf Moskauer Befindlichkeiten blockiert.

„Wir schützen unser Recht auf Existenz“, betont Putin mit Blick auf Krim und Ostukraine. Es gibt freilich niemanden, der das Dasein der Russen in Frage stellt. Ihre Lebengrundlage ist vielmehr über die Wirtschaftskrise gefährdet. Und die ist größtenteils hausgemacht. Wenigstens Russlands Wirtschaftsminister gibt das zu, indem er den Kurs der eigenen Regierung scharf angreift. Mit Blick auf die Turbulenzen in der Wirtschaft sagt Alexej Uljukajew: „Wir haben diesen Sturm selbst verursacht – durch verschleppte Reformen und alles, was wir nicht getan haben.“ Mal sehen, wie lange Uljukajew noch Wirtschaftsminister bleibt.

Diese Politiker wechselten in die Wirtschaft

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Quelle: op-online.de

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