Die Queen in Deutschland

Kommentar: Queen in Deutschland - mehr als nur Show

Im September wird sie länger auf dem englischen Thron sitzen als ihre legendäre Ururgroßmutter Queen Victoria. Gestern Abend nun hat Queen Elizabeth II. in Berlin zum fünften Mal in offizieller Mission deutschen Boden betreten. Von Angelika Dürbaum

Spötter mögen darin nur den Besuch einer alten Dame sehen, der dem Boulevard reichlich Geschichten über Handtaschen und Hüte und noch mehr bunte Bilder bescheren wird. Tatsächlich ist die Visite, die die 89-Jährige auch nach Frankfurt und Bergen-Belsen führen wird, sehr viel mehr als eine Showveranstaltung.

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Rein formal hat Elizabeth keine politische Macht, tatsächlich ist sie aber eine höchst politische Figur. Für nicht wenige ihrer Landsleute verkörpert sie noch die alten Glanzzeiten des Commenwealth, bis heute ist sie in 15 Ländern nominelles Staatsoberhaupt, darunter Kanada. In ihrer langen Zeit auf dem Thron hat sie bislang 13 britische Premierminister erlebt. Jede Woche empfängt sie den gerade Amtierenden zu einem Gespräch über die aktuelle Lage des Landes. Überliefert ist, dass sie bestens informiert in die Treffen geht, keine Ratschläge gibt, aber die richtigen Fragen stellt – und damit die Geschicke des Landes entscheidend beeinflusst. Gleiches gilt für die Staatsbesuche der Königin, die sie offiziell „auf Empfehlung der britischen Regierung“ antritt. So leitete 20 Jahre nach Kriegsende ihre erste Deutschland-Visite 1965 die Annäherung beider Länder ein, was wiederum nicht ohne Wirkung auf die Entwicklung Europas blieb.

Europa spielt auch beim jetzigen Besuch eine wichtige Rolle. Premierminister David Cameron, der gerade EU-Reformen aushandeln will und mit einem Referendum droht, dürfte viel an einem guten Einvernehmen mit Angela Merkel liegen. Die Kanzlerin wiederum nimmt sich auffallend viel Zeit für das Gespräch mit der Queen – Diplomatie vom Feinsten. Dass bei der Visite auch noch Zehntausende von Schaulustigen auf ihre Kosten kommen werden, ist ein schöner Nebeneffekt.

Quelle: op-online.de

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