Kommentar: An die Leine

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Detlef Drewes

Der Kampf gegen die Überbringer der schlechten Nachrichten hat wieder vernünftige Züge angenommen. Was die Kommission nun als Paket zur Gängelung der amerikanischen Bonitätsprüfer unternehmen will, gehört in die Rubrik Transparenz und nicht in die Kategorie Zensur.

Dass die Ratingagenturen ihre Kriterien, die am Ende zu Noten führen, ebenso offenlegen müssen wie die Informationen, auf denen ihre Bewertungen fußen, hat Sinn. Und selbst die Verpflichtung, betroffene Staaten 24 Stunden vorab zu unterrichten, ist nachvollziehbar.

Spätestens mit der dubiosen Vorab-Veröffentlichung von haltlosem Spielmaterial samt einer Abwertung Frankreichs vom Freitag haben die Bonitätsprüfer gezeigt, dass sie sich ganz offenbar der Verantwortung ihrer Arbeit nicht bewusst sind. Die Aktion war entweder leichtfertig oder bewusst zersetzend gemeint - beides ist gleich übel.

Europa darf dennoch nicht mit Schaum vor dem Mund alle seine Grundsätze vergessen. Nicht die Ratingagenturen sind an den miserablen Zahlen aus Athen, Rom, Lissabon und Dublin Schuld, sondern die Regierungen. Wer nach Strafen ruft, muss da ansetzen, nicht bei den Boten.

Quelle: op-online.de

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