Kommentar: Rücksichtnahme selbstverständlich

Klare Sache: Beim Thema Rauchen hört die Freundschaft leider noch viel zu oft auf, vor allem seitdem überall im sogenannten öffentlichen Raum die Luft für Anhänger des blauen Dunstes Zug um Zug dünner wird. Das wird auch im aktuellen Urteil des Bundesgerichtshof deutlich. Von Peter Schulte-Holtey

Denn eigentlich sollte es doch selbstverständlich sein, was die Richter verkündeten: Mieter können Nachbarn das starke Rauchen auf dem Balkon verbieten; fühlt man sich von der Raucherei gestört, besteht ein Unterlassungsanspruch. Im Kern geht es also lediglich um eine doch weitgehend anerkannte Benimmregel: gegenseitige Rücksichtnahme. Natürlich ist es dreist, dass Raucher ihre Wohnung qualmfrei halten, indem sie nach draußen gehen - dann aber den Rauch in die Wohnung des Nachbarn blasen, der gerade ein Fenster geöffnet hat. Aber unsere Richter übertreiben jetzt auch nicht bei der Beurteilung. Sie sagen ja auch, dass man in der eigenen Wohnung weiter tun und lassen kann, was man will - solange man andere dabei nicht stört.

„Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem lieben Nachbarn nicht gefällt.“ Diesen Satz hat Friedrich Schiller einst seinem Helden Wilhelm Tell in den Mund gelegt. In ihm steckt so viel Wahres, dass er inzwischen schon zur Volksweisheit geworden ist. Und es stimmt ja auch: Das schönste Haus oder die angenehmste Wohnung bringt einem nicht viel, wenn der Nachbar einem täglich die Hölle heiß macht. Auch das neue Raucherurteil zeigt doch, wie wichtig es ist, den Grundsatz der Gegenseitigkeit zu pflegen, Toleranz groß zu schreiben, Grenzen zu akzeptieren und zu setzen. Mit anderen Worten: Wer das Gespräch sucht, gelassener reagiert - der macht sich grundsätzlich das Leben leichter.

Quelle: op-online.de

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