Chance verdient

Kommentar: Reform der Pflegeausbildung

Offenbach - Alles wird anders in der Pflege: Bislang gibt es drei unterschiedliche Ausbildungsgänge für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger. Ein einheitlicher Berufsabschluss soll angehenden Pflegekräften künftig ein breites Berufsfeld öffnen und die Jobs attraktiver machen. Von Peter Schulte-Holtey

Ob die gestern von der Bundesregierung angestoßene Reform gegen den Fachkräftemangel hilft, ist allerdings völlig offen. Der Lackmustest steht erst in zwei Jahren an, wenn die geplanten Veränderungen vollständig wirksam werden. Dass es gute Argumente für die Wende gibt, liegt auf der Hand. Fachleute in der Praxis bestätigen, dass sich die Aufgabengebiete zunehmend überlappen. Pflegekräfte im Krankenhaus müssen zum Beispiel immer häufiger mit Demenzkranken umgehen. Umgekehrt landen in den Pflegeeinrichtungen immer mehr Menschen, die auch medizinisch versorgt werden müssen, denn die Gesundheitsgesetzgebung sorgt ja dafür, dass die Verweildauer in den Kliniken kürzer wird.

Mit der neuen generalistischen Ausbildung steigen die Chancen zudem, dass das Arbeitsfeld Pflege im gesellschaftlichen Ansehen aufgewertet wird. Gerade die Möglichkeit, in verschiedenen Lebensabschnitten ohne Hürden in unterschiedlichen Bereichen arbeiten zu können, kann die Attraktivität des Pflegeberufs erhöhen.

Doch auch die Befürchtungen von Kritikern müssen ernst genommen werden. Der Umgang mit einem Frühchen sei kaum vergleichbar mit der Aufgabe, einen schwer kranken Senior beim Sterben zu begleiten, heißt es. Dem Vorwurf einer „Schmalspurausbildung“ sollte mit einem soliden Konzept begegnet werden.

Pflegekurse erleichtern die Versorgung der Lieben

Die Reform sollte eine Chance bekommen. Schließlich hat Deutschland einen enormen Bedarf an Pflegekräften. Schon heute sind viele Stellen in Heimen und in ambulanten Hilfsdiensten unbesetzt. Da die Gesellschaft weiter altert, wird der Mangel an Fachkräften noch zunehmen - düstere Prognosen sehen in ein paar Jahren gar das Fehlen von einer halben Million Altenpflegern voraus.

Quelle: op-online.de

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