Vor dem 3. Weltkrieg?

Kommentar: Rhetorisch aufgerüstet

Die völkerrechtswidrige Einverleibung der Krim durch Russland vor wenigen Wochen wurde diplomatisch noch als Handstreich verharmlost. Nach der von Moskau übernommenen Sprachregelung war ja schließlich nur ein historischer Irrtum korrigiert worden. Von Frank Pröse

Seither dreht sich die Gewaltspirale in der Ostukraine immer schneller und der Ton wird schärfer. Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk wirft Moskau angesichts ständig neuer Provokationen gar vor, einen „dritten Weltkrieg“ anzetteln zu wollen. Mit Verlaub, das sind dem Putschisten in Kiew aufgrund einer falschen Lageeinschätzung rhetorisch die Gäule durchgegangen. Weder Europa noch Amerika werden in der Ukraine militärisch eingreifen. Sie setzen auf ökonomische Abschreckung, wie Barack Obama und Angela Merkel erneut deutlich gemacht haben.

Lesen Sie dazu auch den Artikel: Ukraine warnt vor „Weltkrieg“

Bis sich derlei Strafmaßnahmen gegen Moskau dort auch spürbar auswirken, wird es aber dauern, zumal bisher wieder nur gedroht wird. Insofern bergen die unkalkulierbare Entwicklung im Osten der Ukraine die größten Gefahren, ebenso die Eigendynamik einer sich immer schneller drehenden Gewaltspirale. Ein blutiger Bürgerkrieg ist wahrscheinlich, ein Krieg nicht unwahrscheinlich, ein dritter Weltkrieg aber droht zurzeit nicht. Auch wenn Putin schon seit Jahren immer mal wieder testet, wie weit er die Nato provozieren kann, wie schnell und effektiv das Bündnis auf Provokationen reagiert, so weiß er doch, dass er bei einem Krieg gegen die Nato mit zu den Verlierern zählt.

Quelle: op-online.de

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