Neuer Schuldenschnitt für Griechenland

Kommentar: Verheerende Botschaft

Das war ja abzusehen: Im Ringen um die Rettung Griechenlands überholen Europäische Zentralbank und Währungsfonds den Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker. Offensiv werben sie für einen neuen, weitreichenden Schuldenschnitt. Diesmal trifft´s aber die Geberländer. Von Frank Pröse

Sie sollen dem Vernehmen nach auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. Bisher lehnt die Bundesregierung den vorgeschlagenen Forderungsverzicht ab, setzt eher darauf, den Griechen die Zinsen für die Hilfskredite zu senken. Doch die Mechanismen dieser Euro-Krise lehren, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble selten standhaft bleiben. So dürfte der Schuldenschnitt demnächst also als alternativlos hingestellt werden - weil es die anderen so wollen und nicht etwa, weil es ökonomisch Sinn machte. Die Wahrheit in Scheiben lässt sich besser verkaufen - gerade, wenn Wahlen bevorstehen.

Private Gläubiger wie Banken oder Investmentfonds haben Griechenland die Hälfte ihrer Forderungen erlassen. Zinsen für Kredite aus dem ersten Hilfspaket sind gesenkt worden. Und doch bekommt Athen seine Finanzprobleme nicht in den Griff. Ob ein zeitlicher Aufschub zur Erfüllung der Sparauflagen den Griechen aus ihrer Misere hilft, keiner weiß es. Es drängt sich sogar die Frage auf, ob überhaupt noch etwas helfen kann. Ein paar Milliarden hier, ein paar dort, geringere Zinsen, längere Laufzeiten, ein Rückkauf griechischer Schuldtitel, ermöglicht vom Euro-Rettungsfonds - alle diese Instrumente übermitteln doch nur die Botschaft auch an andere Schuldenländer: Wer langsam genug Fortschritte bei der Entschuldung macht, kann auf immer neue Milde der anderen Mitglieder der Schicksalsgemeinschaft hoffen. Auch deshalb darf die Bundesregierung einem Forderungsverzicht der Geberländer nicht zustimmen.

Quelle: op-online.de

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