Kommentar: Der Fall Sebastian Edathy

Gestern noch der Saubermann, morgen schon der Schmutzfink? Der Vorwurf, der gegen den SPD-Politiker Sebastian Edathy im Raum steht, wiegt schwer. Ob er tatsächlich kinderpornografisches Material besitzt oder besessen hat, muss sich erst noch zeigen.  Von Hans Willms

Dass die Staatsanwaltschaft die Wohnung und Büroräume des 44-jährigen Politikers durchsuchen lässt, spricht allerdings Bände. Ohne einen begründeten Tatverdacht stellt schließlich kein Richter einen Durchsuchungsbeschluss aus.

Natürlich: Auch für einen ehemaligen Bundestagsabgeordneten hat zunächst die Unschuldsvermutung zu gelten. Wenn aber die Durchsuchung der Räume quasi direkt im Anschluss an den Mandatsverzicht des Politikers erfolgt, liegt zumindest der Verdacht nahe, als habe Edathy längst von den Ermittlungen gegen ihn gewusst.

Lesen Sie dazu:

Verdacht auf Kinderpornografie

Der Rückzug „aus gesundheitlichen Gründen“ klingt angesichts der aktuellen Entwicklung daher eher fadenscheinig. Dass die Zeitfolge – erst die Aufgabe des Mandats vor und dann die Razzia direkt nach dem Wochenende – purer Zufall gewesen sein könnte, fällt jedenfalls schwer zu glauben.

Sebastian Edathy täte gut daran, öffentlich Stellung zu beziehen – umfassend. Andernfalls bleibt viel Raum für Spekulationen. Die vier kurzen Sätze, mit denen der SPD-Mann auf seiner eigenen Facebook-Seite die Vorwürfe zurückweist, klingen genauso dürr wie die drei Sätze, mit denen er am Sonnabend seinen Rückzug erklärte.

Ein so erfahrener Berufspolitiker wie Edathy weiß, wie schnell staatsanwaltliche Ermittlungen zu einem öffentlichen Kesseltreiben par excellence mutieren können. Aber vielleicht ist gerade das der Grund, weshalb sich Sebastian Edathy nicht mehr aus der Deckung wagt – und im europäischen Ausland abgetaucht ist.

leserbriefe@op-online.de

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare