Senioren eifrigste Wähler

Kommentar: Einsatz für die Demokratie

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Siegfried J. Michel

Ja, Politiker machen nach einer Wahl oft nicht das, was sie versprochen haben. Ja, sie machen beim Regieren auch Fehler, die das Volk dann auszubaden hat.

Geradezu unverzeihlich ist, dass manche sogar das große Ganze aus den Augen verlieren, einseitig eine gewisse Klientel bedienen und dabei dann auch noch mächtig auf den eigenen Vorteil schielen. Das führt zu? Richtig, Politikverdrossenheit.

Doch wer dies für sich - gleich welchen Alters - zu einem Argument dafür macht, nicht zu einer Wahl zu gehen, weil „die da oben doch eh machen, was sie wollen“, begeht einen großen - eigentlich ebenso unverzeihlichen - Fehler. Wir haben das Glück, in einem demokratischen Staat zu leben. Und trotz aller - auch berechtigter - Kritik: Natürlich bestimmen wir alle durch unser Votum, welche Richtung unser Staat, unser Bundesland oder die Kommune einschlägt.

Wir sollten nicht vergessen, dass Menschen in anderen Ländern für demokratische Verhältnisse und freie Wahlen kämpfen. Für dieses Ziel zahlen sie oft genug auch mit ihrem Leben. Allein dies vor Augen zu haben, sollte Grund genug sein, seine Kreuzchen zu machen.

Zur Erinnerung: Die Wahlbeteiligung bei der Abstimmung über die Zusammensetzung des 17. Deutschen Bundestages im Jahr 2009 war mit 70,78 Prozent die niedrigste seit Bestehen dieser Republik. Das ist nicht gut für unser Demokratie.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass sich die 60- bis 69-Jährigen mit 80 Prozent als eifrigste Urnengänger erwiesen. Sie gehören zu den Jahrgängen, die teils selbst noch die Trümmer und die Wunden in der Gesellschaft, die die Nazi-Diktatur und der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatten, zu spüren bekamen und mit eigenen Augen gesehen haben. Sie erlebten den Wiederaufbau und das deutsche Wirtschaftwunder in einem demokratischen System. Ganz offensichtlich hat die große Mehrheit der Generation 60plus verinnerlicht, dass freie Wahlen auch bedeuten, Zukunft aktiv mitzugestalten.

Ungut ist, dass die Beteiligung am Urnengang 2009 bei den 21- bis 24-Jährigen mit 59 Prozent die niedrigste aller Altersgruppen war. Gerade auch mehr Junge aber sollten wählen gehen und sich nicht von der Politik abwenden. Viele von uns Älteren, die Wahlen als eine Bürgerpflicht erachten, sollten unsere erwachsen gewordenen Kinder - und den einen oder anderen verdrossenen Verweigerer - dazu anhalten, sich mit ihrer Stimmabgabe für diese Demokratie einzusetzen und sie damit kraftvoll am Leben zu erhalten.

Quelle: op-online.de

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