Keine Frage des Alters

Kommentar zu Senioren am Steuer

Noch immer streiten sich Experten, ob von Senioren im Straßenverkehr eine größere Gefahr als von anderen Altersgruppen ausgeht oder nicht. Von Christoph Zöllner

Doch in Anbetracht der demografischen Entwicklung rückt dieser Aspekt der Verkehrssicherheit zwangsläufig in den Brennpunkt: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben zurzeit rund vier Millionen Über-80-Jährige in Deutschland, im Jahr 2050 sind es voraussichtlich zehn bis elf Millionen. Und die meisten von ihnen werden ihren Führerschein – dieses Heiligtum der mobilen Gesellschaft – nicht freiwillig abgeben wollen. Selbst wenn die geistige und körperliche Fitness bereits entscheidend nachgelassen haben sollte.

Noch gibt es in Deutschland keine verbindlichen Tests für Senioren. Bislang werden Betroffene und Angehörige mit der Entscheidung, ob jemand noch fahren kann oder nicht, alleine gelassen. Viele halten die Luft an, wenn Vater oder Mutter, Opa oder Oma schon diverse Blechschäden verursacht haben. Sie fechten harte Kämpfe aus, um die Abgabe des Autoschlüssels zu erreichen. Ein schlechtes Gewissen gibt es obendrein, wenn man Senioren damit einen großen Teil ihrer Selbstständigkeit nimmt. Selbst Ärzten und der Polizei sind in der Regel die Hände gebunden. Ihnen bleibt nur der Appell an die menschliche Einsicht, denn erst bei groben Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung – also wenn es schon zu spät ist – kann die Führerscheinstelle den Lappen einziehen.

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Verbindliche Seh- und Reaktions-Tests ab einem bestimmten Alter könnten einen Ausweg aus dieser Misere weisen. Für alle Beteiligten wäre es eine saubere Lösung, wenn sich die Politik in den nächsten Jahren – ohne Rücksichtnahme auf Wählerschichten und Interessenverbände – darauf einigen könnte. Es wäre ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit – für alle Schichten der Bevölkerung. Und wer fit ist, soll fahren. Egal, wie alt er ist...

Quelle: op-online.de

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