Kommentar: Sexueller Missbrauch

Kommentar: Kartell des Schweigens

Als Anfang 2010 immer mehr Fälle sexuellen Missbrauchs in Deutschland öffentlich wurden, richtete die Bundesregierung das Amt einer unabhängigen Missbrauchsbeauftragten ein - diese Stelle übernahm die frühere Bundesfamilienministerin Christine Bergmann. Von Peter Schulte-Holtey

Dazu gehört eine telefonische Hotline. Mittlerweile sind dort rund 20.000 Briefe und Anrufe registriert worden. Auch dies zeigt, wie sehr das Thema noch immer viele bewegt.

Von Bergmann kommt jetzt auch ein wichtiger Einwurf: „Sexueller Missbrauch passiert nicht in den Ecken, von denen man sagt, da passiert sowieso alles. Es sind durchaus renommierte Einrichtungen betroffen. Es sind ehrenwerte Lehrer, Trainer und Priester, die Kinder missbrauchen. Und es sind vor allem viele Kinder in den Familien betroffen.“ Und es ist richtig, dass die Ex-Ministerin jetzt noch einmal daran erinnert, dass sexueller Missbrauch kein Thema der Vergangenheit ist. An jeder zweiten deutschen Schule, so die jüngste Studie des Deutschen Jugendinstitutes, habe es in den vergangenen Jahren mindestens einen Verdachtsfall auf sexuellen Missbrauch gegeben.

Anlass genug, darüber nachzudenken, wie man als Schule, Sportverein und Jugendeinrichtung solche Fälle erkennen und damit umgehen kann. Pädagogen, Ärzte und Jugendbetreuer sollten zum Beispiel regelmäßig für Warnhinweise von Kindern sensibilisiert werden. Sie sollten verstärkt fortgebildet und Präventionsmaßnahmen intensiviert werden, damit ein hilfreiches Klima des Vertrauens und kompetenten Handelns entstehen kann. Das Kartell des Schweigens muss weiter vehement gebrochen werden.

peter.schulte-holtey@op-online.de

Quelle: op-online.de

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