Sicherheitsdebatte

Kommentar: Weniger wäre mehr

Anders Behring Breivik ist rechtsradikal, christlich-fundamentalistisch und psychisch offenbar hochgradig gestört. Gegen solche Verrückte gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Nicht in Norwegen, nicht in Deutschland, nicht sonstwo auf der Welt. Von Ralf Enders

Nicht in freien Gesellschaften und nicht in totalitären. Wer etwas anderes behauptet, erzählt Unsinn.

Umso nerviger und überflüssiger ist die Sicherheitsdebatte in Deutschland, die der Bluttat folgt. Manchmal wäre weniger mehr. Die echten und vermeintlichen Experten äußern sich inflationär; die Gewerkschaft der Polizei schlägt eine Datei für auffällige Personen vor; die einen Politiker wollen das Internet stärker beobachten lassen, die anderen die Vorratsdatenspeicherung vorantreiben. Und, und, und.

Alle geben sie sich in den TV-Studios und Zeitungsredaktionen die Klinke in die Hand - was zu den Mitverursachern dieser Debatten(un-)kultur führt. Zwei Politiker äußern sich zum selben Thema, und die Nachrichtenagenturen kündigen eiligst und wichtigtuerisch Zusammenfassungen der „aktuellen Debatte um ...“ an. Darin steht dann, dass der Vorsitzende des Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), solche Attentate auch in Deutschland nicht ausschließt. Aha! Oder dass der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz der Ansicht ist, Menschen mit Breiviks Profil gebe es auch bei uns. Hmhm. Oder dass der stellvertretende SPD-Vorsitzende Olaf Scholz zur „Stärkung demokratischer Werte“ aufruft. Immer gut.

Das sind keine Nachrichten, das sind Null-Meldungen. Und viele springen drauf. Der mediale Overkill nach dem Massenmord.

Quelle: op-online.de

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