Stellschrauben besser nutzen

Kommentar: Gesundheitswesen im Land teurer

Mindestens 24 Millionen gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland müssen im Jahr 2016 mit einer überdurchschnittlichen Anhebung ihrer Beiträge rechnen. Von Siegfried J. Michel

Siegfried J. Michel

Nach Medienberichten müssen vor allem große Kassen ihren Zusatzbeitrag über den vom Gesundheitsministerium prognostizierten Wert von 1,1 Prozent (bisher 0,9 Prozent) des Bruttogehalts anheben. Dazu gehören offenbar unter anderem die großen Ersatzkassen DAK, Barmer GEK und KKH. Der Gesundheitssektor in der Republik ist ein teures Pflaster, wie sich jedes Jahr erneut zeigt. Zu diesem Schluss kommt auch eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Danach hat Deutschland mit das teuerste Gesundheitssystem in Europa. Wegen der Gründe lohnt ein genauerer Blick auf die Studie. So bemängeln die Experten die hohe Zahl vermeidbarer Krankenhausfälle. Dies sei u.a. darauf zurückzuführen, dass sich die Zahl der Klinikbetten immer noch auf einem zu hohen Niveau befinde und damit Anreize zu Eingriffen liefere.

Hier sind wir mit der Krankenhausreform, die der Bundestag heute verabschieden will, auf einem guten Weg zur Kostenreduzierung, weil überflüssige Klinkbetten abgebaut werden sollen. Ziel des Gesetzes ist auch die Förderung eines Qualitätswettbewerbs. Kliniken sollen Zuschläge für gute medizinische Leistungen erhalten. Eine unzureichende Qualität soll dagegen mit Abschlägen bestraft werden. Auch dies dürfte in Zukunft Kosten senken, weil Krankenhäuser mit miesen Leistungen in gewissen Bereichen Stationen werden schließen müssen, was auch Bettenabbau bedeutet. Und: Bessere Qualität ist nicht nur für Patienten gut, sondern erspart auch durch Pfusch ausgelöste Folgekosten.

Nächster Punkt: Nach dem OECD-Bericht sind die Arzneimittelausgaben in Deutschland höher als in den allermeisten anderen europäischen Staaten. So gut wie nichts tun kann die Politik natürlich gegen die Alterung der Gesellschaft, denn das zieht einen höheren Arzneiverbrauch naturgegeben nach sich. Noch genauer hinschauen kann man aber, wenn Pharmariesen nach dem Ablauf eines Patentschutzes für ein Mittel mit neuen und teils enorm teuren Medikamenten in den Markt zu drängen versuchen, um ihre Rendite zu halten. Eine noch strengere Kosten-Nutzen-Analyse ist hier angebracht.

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Die Studie zeigt aber auch, dass wir selbst es sind, die die Kosten – und damit die Kassenbeiträge – in die Höhe treiben. Festgestellt wird nämlich, dass immer mehr Deutsche immer häufiger Medikamente etwa wegen Diabetes oder zu hohem Blutdruck benötigen. Der Grund: Die verstärkte Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit. Hier haben wir also selbst eine Stellschraube in der Hand, um die Kosten im Gesundheitssektor positiv zu beeinflussen. Denn wer einen vernünftigen Lebensstil pflegt, der tut nicht nur sich selbst gesundheitlich einen großen Gefallen, sondern letztendlich auch der Allgemeinheit.

Quelle: op-online.de

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