Richtiges Maß entscheidend

Kommentar: Die Sorgen der Deutschen

Amerikanische Publizisten haben in den Achtzigerjahren eine merkwürdige Zukunftsangst bei den Deutschen diagnostiziert: die „German Angst“. Der Begriff bezeichnet den Hang der Deutschen zum Grübeln und ihr Zögern, angemessen auf ökonomische Realitäten zu reagieren. Von Peter Schulte-Holey

Eine aktuelle Umfrage („Challenges of Europe 2013“) scheint diesen Eindruck zu bestätigen. Trotz der guten ökonomischen Lage machen sich die Deutschen mehr Sorgen als andere Europäer.

Arbeitslosigkeit, Inflation, wirtschaftliche Stabilität, Bildungspolitik und Altersvorsorge - Sorgen gehören wohl zum deutschen Wesen. Sehen wir unser Land wirklich so? Bis zum Hals im Wasser, während uns die Felle davonschwimmen, die Wirtschaftskraft, die Sicherheit und die Rente? So schlimm soll es um das Land stehen, das der Euro-Krise recht gut zu trotzen weiß, eine relativ niedrige Arbeitlosenquote hat? Die Vermutung liegt nahe, dass es sich auch um Zweckpessimismus handeln kann.

Auf die leichte Schulter sollte diese erstaunliche Einstellung vieler Bürger aber nicht genommen werden. Wenn die ständige Furcht vor dem gesellschaftlichen und ökonomischen Abstieg alle positiven Signale überdeckt, läuft eine Menge falsch in unserem Land. Es ist ein bedrohlicher Trend in Zeiten dringend notwendiger Reformen und Sparpakete; wenn sich viele Bürger unter Druck fühlen, sinkt ja auch die Bereitschaft, dem Staat etwas abzugeben. Der verbreitete Egoismus könnte noch zunehmen - vor lauter Zukunftsangst.

Ein klarer Kopf ist schon empfehlenswert. Denn es kommt, wie immer im Leben, auf das richtige Maß an. Man sollte es mit der ständigen Sorge und Angst um Besitzstände nicht übertreiben. Für die Gesellschaft wäre es eine Bereicherung.

Quelle: op-online.de

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