Mehr Hundernde auf der Welt

Kommentar: Spekulanten an Leine legen

Es ist noch gar nicht so lange her (September 2008), da hat die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst. Von Siegfried J. Michel

Es zeigte sich, dass sich die Banker und Zocker an den Börsen mit dem Handel von komplizierten und fragwürdigen Finanzprodukten mächtig verspekuliert hatten. Für die hunderte von Milliarden schweren Banken-Rettungspakete wurden in vielen Staaten die Steuerzahler zur Kasse gebeten. Viel gelernt haben die Politiker, die die Märkte entfesselt hatten, aus diesem Drama nicht.

Was wurde in der Folge dann den Bürgern nicht alles an Maßnahmen versprochen, um diesem Raubtier-Kapitalismus Einhalt zu gebieten. Wirklich durchgegriffen hat man aber nicht. Der mangelnde Wille der Staatenlenker, für das System der Märkte einen auch sozialverträglichen Rahmen vorzugeben, animierte Banker und Zocker das Spielkasino recht rasch wieder zu öffnen. Schlimm ist, dass dieses Verhalten auf Umwegen unser aller sauer verdientes Geld kostet. Menschenverachtend aber wird das Ganze, wenn durch Börsenspekulationen mit Nahrung und Land mehr Kinder, Frauen und Männer auf der Welt hungern müssen. Laut dem katholischen Hilfswerk Misereor haben es hauptsächlich die Zocker an den Börsen zu verantworten, dass sich die Zahl der Hungernden von 850 Millionen Mitte der 90er Jahre auf inzwischen vermutlich etwa 950 Millionen erhöht hat. Zehntausende werden die verantwortungslosen Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln schließlich sogar mit dem Tod bezahlen.

Ein Zustand also, der untragbar ist - menschlich, moralisch und politisch. Die Spekulanten müssen endlich wirklich an die Leine gelegt werden, kleine Schönheitoperationen am System reichen da schon lange nicht mehr aus. Wie lange eigentlich benötigen die von den Märkten vor sich hergetriebenen Politiker noch für diese Einsicht?

Quelle: op-online.de

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