Gespielte Empörung

Kommentar zur Spionageaffäre

Offenbach - Langsam reicht es dem gemeinen Volk. Es fordert von der Regierung, den sie ausspähenden Amerikanern doch endlich die Meinung zu geigen. Bisher gab es nicht einmal einen diplomatisch ausgeführten Klaps auf den Hintern. Von Frank Pröse

Jetzt aber soll mit den Ermittlungen gegen einen angeblich für die USA spionierenden Mitarbeiter im Verteidigungsministerium der Rubikon überschritten sein. Warum erst jetzt? Das müssen die Schaumschläger erklären, die dem Partner das diesmal nicht durchlassen wollen. Jetzt müsse man auch negative Auswirkungen auf das transatlantische Verhältnis hinnehmen, heißt es in gespielter Empörung.

Ganz nebenbei: Auch die in der Öffentlichkeit geäußerte Sorge der Amerikaner um die Beziehungen zu Deutschland sind reine diplomatische Schönwetter-Rhetorik. Wenn es anders wäre, hätte sich Washington in der Spionage-Affäre nicht nach alliiertem Sonderrecht verhalten und die Deutschen mehrfach brüskieren dürfen. Die Souveränität, mit der sich die erwischten Amerikaner in dieser Affäre bewegen, sie rührt von der Überlegenheit auf einem Gebiet, auf dem auch die Deutschen sie nicht schrecken können.

Und von Hillary Clinton wissen wir, dass die USA das Ausspionieren auch befreundeter Länder als legitim ansehen. Da zudem die deutsche Spionageabwehr ihren Namen offensichtlich nicht verdient, kann es durchaus interessant sein, US-Geheimdienstinformationen für die eigene Sache zu nutzen. Auch das würde erklären, warum niemand den Amerikanern so recht deren Grenzen aufzeigt. Dann sollen die Deutschen aber auch nicht so tun, als wären sie sauer auf den Bündnispartner.

Quelle: op-online.de

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