Bitte weniger Heuchelei

Kommentar: BND spioniert Türkei aus

Angesichts der jüngsten Pirouetten in der unendlichen Spionagegeschichte muss man sich schon redlich mühen, um nicht laut zu lachen. Da wirft der vielkritisierte BND nicht nur seine Netze in Richtung Türkei aus, er staunt auch noch über zwei leibhaftige amerikanische Außenminister als Beifang. Kann ja mal passieren – oder?

Im Ernst: Dass die Türkei ein erstrangiges Ziel für die deutsche Auslandsaufklärung ist, liegt auf der Hand. Das Land an der Naht zwischen Orient und Okzident wird von Politikern regiert, die den EU-Beitritt im Munde führen, aber eine offene Islamisierung betreiben und ein gestörtes Verhältnis zu den Menschenrechten haben. Die Türkei birgt ein gewaltiges extremistisches Potenzial, das von Kurden bis zu Islamisten reicht und die Sicherheit Deutschlands direkt bedroht, weil beide Länder auf zahllosen Ebenen verflochten sind.

Und da soll ein deutscher Geheimdienst dezent wegsehen, nur weil die Türkei auch ein Nato-Partner ist? Etwas weniger Heuchelei, bitte! Geheimdienste sind deshalb Geheimdienste, weil sie nun mal nicht nur das beäugen, was im hellen Tageslicht liegt; sie operieren in Grauzonen, wo der Arm des Gesetzes mitunter etwas kraftlos wirkt – nicht nur in autokratischen Staaten. Sonst wären sie sinnlos. Ist doch ganz beruhigend, dass die Schlapphüte überhaupt wissen, wie man das Handy von Kerry oder Clinton hackt, könnte man ironisch anmerken – auch wenn’s angeblich nur ein Versehen war. Die Bundesregierung sollte diese Pointe bezüglich der USA nutzen, um endlich die Rolle des beleidigten Liebhabers an der Garderobe abzugeben. Sie ist unerträglich albern.

von Lorenz von Stackelberg

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pr

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare