Den Bürger mitnehmen

Kommentar: Sprach-TÜV für Gesetze

Das ist endlich mal wieder ein richtig guter Vorstoß von Politikern: Ein Sprach-TÜV für Gesetze soll her, fordern die beiden CDU-Bundestagsabgeordneten Antje Tillmann und Frank Steffel. Von Sigfried Michel

Dafür, dass die Rechtstexte für den vielzitierten „Otto Normalverbraucher“ am Ende verständlich sind, soll eine sprachliche Überarbeitung durch Experten der Gesellschaft für deutsche Sprache sorgen. Das Ansinnen der beiden Politiker sollte nicht einfach mit einem Achselzucken abgetan werden. Denn es ist wichtig, dass die Bürger verstehen, was ihnen da vorgeschrieben wird oder welche Rechte sie in diesem oder jenem Fall haben. Es gilt, den Bürger bei solchen Regelungen mitzunehmen. Denn ansonsten droht, dass Gesetze nicht ihre volle Wirkung entfalten, weil viele sie einfach gar nicht kapieren.

Noch besser wäre, wenn dieser Vorstoß auch von weiteren „Spielern“ in unserer Gesellschaft aufgegriffen und beherzigt würde. Denn wie oft schon hat sich jeder von uns über das Kauderwelsch in den behördlichen Erklärungen zur Steuererklärung, beim Bafög- oder Rentenantrag geärgert, weil selbst bei dreimaligem Lesen noch immer nicht klar geworden ist, was da eigentlich an Angaben gefordert ist.

Und das lässt sich noch weiterdrehen: Auch viele Gebrauchsanweisungen, Beipackzetteln für Medikamente oder Geschäftsbedingungen - etwa beim Online-Einkauf - sind so abgefasst, dass viele verzweifeln, sich die Haare raufen oder das Schriftstück entnervt und ohne weiterzulesen weglegen. Was alles andere als gut ist. Nicht zuletzt ist auch unser Berufsstand gefordert. Denn für viele Zeitungsleser und Konsumenten von TV-Nachrichten ist Verständlichkeit ein sehr wichtiges Qualitätskriterium. Kurzum: Ein Sprach-TÜV betrifft viele Bereiche. Und Verständlichkeit könnte für zahllose Menschen das eh schon oft komplizierte Leben ein ganzes Stück einfacher machen.

Quelle: op-online.de

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